Was war das für 1 Oktober? – Blog36 blickt fasziniert zurück

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Golden: Kassels Straßen nach dem 1-0 gegen Worms

Eines gleich vorneweg: Blog36 lügt. Aber sowas von. Malen die doch den Teufel an die Wand. Veröffentlichen im September einen Artikel, in dem sie behaupten, ein Stadionbesuch beim KSV würde sich im Oktober eigentlich nie lohnen, weil die Mannschaft es doch ohnehin zum Herbstbeginn regelmäßig verkackt . Die nackten Zahlen würden dies belegen (siehe: Der „Goldene Oktober“ – bloß ein Mythos?). Um ihre holprigen Thesen zu untermauern, zog Blog36 Resultate aus den vergangenen Jahren heran: gerade mal acht Siege aus 38 Oktoberspielen in den letzten 10 Jahren Regionalliga, so der Lügen-Blog. Der Verein machte bei diesem Schmierentheater auch noch mit und druckte besagten Artikel im Hessenlöwen, der Stadionzeitschrift, ab. Der Schund lag also auch noch im Stadion aus. Und was passierte dann? Dann kam der Oktober 2016. Und die Löwen lieferten ab. Sie lieferten sogar geil ab. Und Blog36? Distanziert sich von Blog36.

Die Ausgangsbedingungen vor Beginn des goldenen Oktobers waren aber auch wirklich denkbar schlecht. Den letzten Dreier konnten die Löwen beim 2-0 gegen die Stuttgarter Kickers Ende August einfahren. Es folgten schwere Spiele im September. In Mannheim war man chancenlos, gegen Elversberg holte man etwas glücklich einen Zähler. Hinzu kam erschwerend eine durch viel Verletzungspech immer dünner werdende Personaldecke in unserer Equipe. Als die zweite Reihe eine erste Chance bekam, flog sie gegen den FSC Lohfelden im Hessenpokal raus. Zwar trug der Gewinn der „Tor des Monats“-Medaille von Basti Schmeer zu einer prinzipiell positiven Grundstimmung bei, nichtsdestotrotz dürfte sich die eine oder andere Sorgenfalte beim Blick in den Oktober auf der Stirn der KSV-Offiziellen angedeutet haben. Auch die HNA ließ sich von der Blog36-Weltuntergangsstimmung anstecken und titelte Ende September: „Der Abstiegskrimi ist programmiert!“ Klar: Wenns ums Mähren geht, sind immer gleich alle mit dabei. Zu seiner Verteidigung muss Blog36 allerdings sagen: Immerhin zeigten wir Wege auf, wie es in dieser Spielzeit doch ein goldener Oktober werden könnte, stellten z.B. die besondere Torgefährlichkeit von Tobi Damm in diesem Monat heraus und beschworen die beflügelnde Wirkung die es haben müsse, wenn man mit Tresoren auf der Brust herumläuft. Doch ausgerechnet Damm gesellte sich Ende des Monats zu der ohnehin langen Verletztenlisten. Ebenso Frederic Brill, wie Damm auch eine feste Stütze im Mannschaftsgefüge.

Und so begann dieser endlos erscheinende Oktober. Sieben Spiele sollte der KSV bestreiten. Und die sollten es in sich haben. Allesamt.

 

Hoffenheim zum Auftakt – Blog36 macht den Klugscheißer

Foto: Hedler
Adrian. Ecke. Direkt. Tor des Monats?; Foto: Hedler

Den Anfang machte gleich am ersten Tag des Monats die Nachwuchs-Millionäre von 1899 Hoffenheim II. Bittere Erinnerungen wurden wach an die 0-4-Heimklatsche mit Geld-zurück-Garantie aus dem Oktober 2013. Kurzum: die Löwen waren ziemlich chancenlos in dieser Partie. Die Sinsheimer, die zu der Zeit auch einen Wahnsinnslauf hatten, waren deutlich überlegen. 1-3 hieß es am Ende aus Sicht der Löwen. Einen goldenen Moment gab es dennoch: Mitte der ersten Halbzeit trat Adrian Bravo Sanchez eine Ecke und auf einmal zappelte der Ball im Netz. Verwundertes Augenreiben. Wer hat denn da geköpft? Hä? Die Aufklärung folgte: ABS hatte die Murmel direkt im Tor versenkt. Mutmaßlich hatte Trainerfuchs Cralle die Losung ausgegeben, nun bis zum Ende des Jahres jede Wahl zum Tor des Monats zu erzielen. Ein genialer Plan. Und ABS lieferte. Seitdem wartet man gespannt, was die ARD tun wird. Eine erneute Nominierung eines KSV-Spielers zum Torschützen des Monats wäre mehr als verdient. War immerhin eine schöne Bude. Doch Punkte gab es an diesem Tag nicht – trotz insgesamt ansprechender Leistung. Blog36 sah sich mitsamt seiner ganzen arroganten Selbstgefälligkeit bestätigt: „Wir hams ja gesagt, im Oktober haben wir die Seuche am Fuß.“ Wer hätte gedacht, dass dies die letzte Niederlage in diesem Monat bleiben sollte?

 

Heimspiel gegen Ulm: Khadraoui bei MT Melsungen im Gespräch

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Yassine Khadraoui – ein untalentierter Handballer

Doch Zeit zum Grübeln blieb kaum. Bereits am 4. Oktober empfing man den SSV Ulm. Schnell ging man dort durch Basti Schmeer in Führung und war lange auf der Siegerstraße. Die Löwen drängten auf die Entscheidung, waren klar die bessere Mannschaft, mussten dann aber eine knappe Viertelstunde vor Schluss den Ausgleich hinnehmen. Zudem vergaß Jungspund Khadraoui, dass er sich in Diensten des KSV Hessen Kassel und nicht der MT Melsungen befindet. Er spielte den Ball mit der Hand, der Schiri ließ weiterlaufen, der Ausgleich fiel und Yassine wurde nach dem Tor vom Platz gestellt. Kurios und doppeltes Pech. Hätte er die Hände weggelassen oder wenigstens etwas besser Hand gespielt – der Schaden wäre nur halb so groß gewesen. In jedem Fall waren am Ende zwei sicher geglaubte Punkte weg. Ein Unentschieden. Aber kein gewöhnliches, wie es sie unter Matthias Mink so häufig gab. Der Fußball des KSV 2016/17 zeigte sich viel erfrischender und beherzter im Spiel nach vorn. Spieler, die nie so richtig im Blickfeld von Mink waren, blühten nun auf: Marco Dawid und Nael Najjer zum Beispiel. Aber auch Sergej Evljuskin hat sich im defensiven Mittelfeld zu einer absoluten Führungsfigur entwickelt. Der unter Mink längst abgeschriebene Basti Schmeer spielt wieder groß auf. Tim-Philipp Brandner macht seinen Job als Außenverteidiger so gut wie noch nie. Es gab also berechtigten Grund zur Hoffnung.

 

Auswärts in Koblenz – drei ganz wichtige Punkte

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Puh…Befreiungsschlag gegen Koblenz; Foto: Eick Rösch

Die englische Woche endete auswärts in Koblenz – wie Ulm auch ein stark aufspielender Aufsteiger. Die „Schängel“, die wohl das nervigste Stadionlied der Liga ihr eigen nennen können („Lustiche Cowelenzer Schängelsche ich seh‘…“) und damit bereits vor Spielbeginn versuchen, den Gegner mürbe zu machen, konnten den frühen Führungstreffer von Marco Dawid noch egalisieren. Ausgerechnet „No-Tor-ious SIG“ sorgte mit Beginn der zweiten Halbzeit für den entscheidenden Treffer. Siggis allererstes Tor im Löwen-Dress überhaupt. Geil. Und Blog36 rappt: „Siggi, Siggi Siggi, can’t you see? Sometimes your goals just hypnotize me!“

 

Offenbach – ein gebrochenes Schienbein, Sprachverwirrungen, Getöse und ein Derbysieg

Von nun an galt die volle Konzentration dem anstehenden Hessenderby gegen den OFC. Die Vereinsführung machte dabei einen mehr als guten Job, rührte im Vorfeld ordentlich die Werbetrommel und versuchte, möglichst viele Zuschauer ins Stadion zu locken. Doch die Vorfreude wurde getrübt. Jungspund Nael Najjer brach sich im Training das Schienbein – ein Schockmoment, den die Equipe von Cralle allerdings in eine „Jetzt erst recht“-Stimmung drehte.

Zwei Tage vor Spielbeginn liefen sich dann einige documenta-Künstler fürs nächste Jahr warm, malten erstaunlich akkurat den Neologismus „OFFOTZEN“ auf die Treppen der Südkurve. Blog36 zeigte sich irritiert. Was sind OFF-Otzen? Und wenn es OFF-OTZEN gibt, gibt es dann auch ON-OTZEN? Glücklicherweise schritten die Stadtreiniger sofort zur Tat und entfernten diese verwirrende Botschaft. Es folgte ein hitziges Derby gegen die Südhessen, über deren Begleitumstände bereits viel geschrieben wurde und an dieser Stelle auch nicht wieder aufgewärmt werden soll. Die HNA arbeitete sich in der Woche danach auf einer ganzen Seite (tautologisch) an der Aufarbeitung der Geschehnisse von Blog36 ab. (Für unseren Beitrag haben wir viel Zuspruch auf allen Kanälen erhalten. Dafür an dieser Stelle mal ein herzliches und sehr ernst gemeintes Dankeschön!) Weil 15-20 Personen für 30 Sekunden im Innenraum rumhüpften, was, um es an dieser Stelle nochmal ausdrücklich zu sagen, aus unserer Sicht NICHT OK war, geriet die erneut überzeugende Leistung der ersatzgeschwächten Cramer-Truppe in den Hintergrund. Erneut war es Basti Schmeer vorbehalten, in der Nachspielzeit die Murmel ins Tor zu dreschen. Der Jubel bei den immerhin 2.800 Zuschauern war riesengroß. In der Tabelle kletterte der KSV weiter.

 

Ein Meisterstück der zeitgenössischen Sportliteratur

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Siggi schreibt.

Am selben Tag sorgte Sergej Evljuskin für einen weiteren großen Moment. Sein Buch „Eigentlich wäre ich jetzt Weltmeister…“, dass er zusammen mit dem Kasseler HR-Redakteur Christof Dörr verfasst hat, wurde auf den Markt geschmissen und war sogleich wieder vergriffen in den Kasseler Buchhandlungen. Unser Siggi. Der aufgehende Stern am Himmel der Sportliteratur. Wer hätte das gedacht?

 

Zwei Tore des KSV und trotzdem nur Unentschieden – Pech in Kaiserslautern

Die Mannschaft war unterdessen im Flow, fuhr drei Tage später nach Kaiserslautern und nahm im Nachholspiel des neunten Spieltags nach frühem Treffer von Tobi Damm am Ende immerhin einen Zähler mit nach Nordhessen. Da war er wieder, der Damm’sche Torriecher im Oktober. Leider hatte den an diesem Tag auch Mounir Boukhoutta, der aus lauter Mitleid mit der bisher verkorksten Saison der Lauterer, den Ball in der zweiten Halbzeit zum Ausgleich in die eigenen Maschen drückte. Kann passieren. Mund abmachen, weiterputzen.

 

VfB Stuttgart II – Bienvenue, Cabrel!

Am darauffolgenden Samstag ging es weiter zum Drittligaabsteiger VfB Stuttgart II – wie die kleinen Lauterer auch nicht optimal in die Saison gekommen. Zwischenzeitlich hatte die korrupte FIFA endlich die Spielgenehmigung für Cabrel Mendy erteilt. Cabrel ist ein junger Franzose, der auf etwas undurchsichtige Weise den Weg zu den Löwen gefunden hat, auf den Cralle aber große Stücke hält. Und weil Cralle bislang – außer gegen Lohfelden –  immer Recht behalten hat: Schwamm drüber. Dennoch: die Außendarstellung rund um seine Verpflichtung passte so gar nicht zu den vielen positiven Nachrichten der vergangenen Wochen und erinnerte an vergangene Zeiten, als Absprachen untereinander noch als lästige Zeitverschwendungen empfunden wurden. Zuerst veröffentlichte dies Rainer Hahne in seinem Extra Tipp, inklusive verwackeltem Foto seiner Handykamera. Erst danach folgte wie es sich gehört – als die Tinte auf dem Vertrag getrocknet war – die offizielle Bekanntgabe von der KSV-Pressesprecherin Alexandra Berge. Wieso diese Geltungssucht von Seiten des Extra Tipps, die kaum jemand im KSV Umfeld honoriert, sondern eher betrübt stimmt? C’est regrettable. Trotzdem: Bienvenue, Cabrel! Der 20-jährige war bereits zwei Mal im Einsatz. Er wirkt noch etwas nervös. Aber er wird der Mannschaft helfen können, soviel ist sicher. In Stuttgart sorgten derweil Tobi Damm und Basti Schmeer für die Tore bei einem erneuten 2-1-Auswärtssieg – zugegebenermaßen nach zwei ziemlich dummen Abwehrschnitzern der VfB-Hintermannschaft. Zum Dank gab es für die beiden Knipser dann in der HNA die Bezeichnung „KSV-Oldies“. Basti Schmeer, ein Oldie? Mit 29 Jahren? Wie wäre denn dann erst eine treffende Bezeichnung für die HNA Sportredaktion? Sei’s drum: Glückwunsch, Basti. Blog36 fühlt aus Betroffenheit mit.

 

Würmer aus der Drachenstadt: ein goldener Abschluss

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Ricky überreicht Tobi 3 Punkte.

Unter der Woche sorgten dann auch noch zwei Ex-Löwen für Furore. Matze Rahno und Tim Knipping zogen mit ihren aktuellen Vereinen (Sportfreunde Lotte und SV Sandhausen) ins Achtelfinale des DFB-Pokals ein und erwiesen sich dabei als echter Favoritenschreck. Doch all das sorgte kaum für Aufsehen, die Kasseler Fußballwelt drehte sich nur um die tolle Serie des KSV. Zudem stand das nächste Heimspiel – und damit der Abschluss des Oktobers – an. Gegner sollte mit der Wormatia aus Worms ein anderer Dino der Regionalliga sein. In den Reihen der Würmer aus der Drachenstadt kickt immer noch KSV-Meisterschaftsheld Ricky Pinheiro, umso mehr war die Freude über das erneute Wiedersehen groß. Lange stand es 0-0 in dieser Partie, in der der KSV vor allem in der zweiten Hälfte überzeugte und zu einer Reihe von Chancen kam. Marco Dawid war es dann vorbehalten, die Kiste einfach mal zu machen. Acht Minuten vor Schluss. Erneut drei Punkte und ein fast schon als sicher anmutender Platz im oberen Tabellendrittel sind die Folge – allerdings mit ordentlichem Rückstand auf die Teams ganz oben.

 

Kassel: Hocke statt Höcke – ein genialer Schachzug deutet sich an!

Am selben Tag vermeldete dann die HNA über das Engagement von Ex-DFB-Vize Rolf Hocke. Dieser strebt die Gründung eines Fördervereins an und möchte dafür möglichst viele kleine und größere Firmen als Sponsoren für den KSV gewinnen. Kann Hocke das Zugpferd sein, dass es sicher braucht um den Verein interessanter zu machen für potentielle Geldgeber? „’S werd sich usswiesen“, sagt der Nordhesse. Neben dem sportlichen Klassenerhalt ist der Aufbau eines neuen Sponsoringkonzepts zur Kompensation der VW-Gelder immerhin das oberste Saisonziel. Es scheint, als sei dem Vorstand da zumindest ein erster Schritt in die richtige Richtung gelungen.

 

Was war das für 1 Oktober? Vong KSV her!

Was für 1 Oktober! Der KSV hat abgeliefert. Nein, der KSV hat geil abgeliefert. Von den sieben Spielen wurden vier gewonnen, hinzu kommen zwei Unentschieden bei nur einer Niederlage. 14 von 21 Punkten wurden geholt bei einem Torverhältnis von 9:7. Hinzu kommt, dass sich das Lazarett lichtet und auch Steffen Friedrich „wieder Sport machen darf“, wie Cralle im aktuellen Löwen TV verkündet (Video am Ende des Artikels). Darüber freuen wir uns sehr!

Blog36 zieht den Hut und verneigt sich. Das hätte unserer Equipe sicher niemand zugetraut. Es war genau genommen der erste wirklich goldene Oktober des KSV in der Regionalliga. Die örtliche Presse schreibt nun nichts mehr von programmiertem Abstiegskampf. Vielmehr sieht sie die Löwen auf „einer Erfolgswelle“ und appelliert an ihre Leser: „Ab ins Stadion!“ Und damit trifft die HNA einen wunden Punkt: die Zuschauerzahlen sind nach wie vor ausbaufähig. Die Löwen sind gut beraten, sich von den allwöchentlichen Zahlenspielen nicht irritieren zu lassen. Fakt ist nämlich auch, dass sich die Stimmung im Auestadion deutlich verbessert hat. Und zwar im gesamten Rund. Man kommt sich teilweise sogar wieder vor wie in einem Fußballstadion. Das macht Bock.

 

#geilabliefern – auch im November!

Nun geht es darum, den Schwung mitzunehmen und auch im November geil abzuliefern. Zeit zum Durchatmen bleibt kaum, die nächste englische Woche steht an. Mit dem Auswärtsspiel beim Darmstadt-aus-dem-Pokal-Kegler FC Astoria Walldorf geht’s am kommenden Mittwoch weiter. Zum Abschluss der Hinrunde wartet zudem am kommenden Samstag mit dem  1. FC Saarbrücken ein echter Kracher. Vier Heimspiele warten noch in diesem Fußballjahr auf den KSV. Viermal die Möglichkeit, nochmal vor heimischer Kulisse so richtig geil abzuliefern. Die Mannschaft hat Bock, Blog36 auch. Hoffen wir also alle auf einen goldenen November!

 

 

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