Aus im Hessenpokal: Hoch gepokert und viel verloren

Die KSV Anhänger staunten nicht schlecht als sie die Löwenaufstellung im Nordhessen-Stadion verlesen bekamen. Gleich auf sieben Positionen veränderte Coach Cramer die Startformation im Vergleich zum überzeugenden Auftritt gegen Elversberg. Er gab der zweiten Reihe eine Chance und das in einem Spiel bei dem jeder wissen konnte: hier wird es heiß her gehen.

Kommt der KSV an diesem Tag weiter, macht der Trainer alles richtig: die Bank bekommt Spielpraxis und der schmal bemessene Spielerstamm wird geschont. Schließlich begleitet den KSV schon seit Saisonbeginn immer wieder Verletzungspech von Leistungsträgern. Da kann man Dauerbrennern wie Henrik Giese oder Tobi Damm schonmal einen spielfreien Tag gönnen. Beide waren nicht mal im Kader.

Scheidet der KSV aber an diesem Tag aus, macht der Trainer alles falsch. So kam es dann auch.

Gleich in der zweiten Minute schob Lukas Iksal zur Führung der Vorstädter ein. Den Vorsprung verdienten sich die Lohfeldener in den Folgeminuten, als Serdar Bayrak, Moritz Meuser & Co immer wieder die KSV Abwehr problemlos überliefen. Alleine ihr 10er, Nasuf Zukorlic hatte gleich mehrfach die Gelegenheit aus guter Position die Führung auszubauen. Er war einer von nur drei Akteuren in der Startformation, die noch nie das Löwenleibchen trugen. Der Rest der Lohfeldener spielte gegen ihren Ex-Verein wie erwartet das Spiel des Jahres. In Sachen Laufbereitschaft, Siegeswillen und Einsatz waren die Vorstädter der Cramer-Elf über das gesamte Spiel hinweg überlegen. Der KSV hingegen agierte fahrig, Ideenlos und unsortiert. Nicht nur die benannten Giese und Damm wurden schmerzlich vermisst, sondern auch die lauf- und einsatzstarken Schmik, Najjer oder Dawid.

Selbst der zwischenzeitige Ausgleich von Pepic blieb nicht ohne Beigeschmack. Gleich zwei Lohfeldener blieben bei der Entstehung verletzt am Boden liegen. Der Schiedsrichter hätte allen Grund gehabt vorher abzupfeifen. Sicher war dem KSV gerade in der zweiten Halbzeit keinesfalls der Wille abzusprechen das Spiel zu drehen. Allerdings verstanden es die Lohfeldener durch aufopferungsvolle Verteidigung jeden Löwen Angriff in Strafraumnähe zu entschärfen. Allen voran Mentor Latifi gewann gefühlt jeden Zweikampf, pflückte souverän alle hohen Bälle aus der Luft und krönte seine starke Leistung sogar mit dem Führungstreffer. Auch nach dem 2:1 sorgte der FSC immer wieder durch Konter für Entlastung und Torgefahr. Nur in der Nachspielzeit keimte durch wenige Minuten KSV-Powerplay die kurze Hoffnung auf, dass hier doch noch etwas gehen könnte. Letztlich war das aber zu wenig, um den hochmotivierten Ex-Löwen aus Lohfelden Paroli zu bieten. Und so verwandelte sich das anfängliche Staunen der KSV Anhänger in Enttäuschung und Ärger zum Abpfiff.

Klar, die Qualifikation für den DFB Pokal schien dieses Jahr unwahrscheinlich. Die südhessische Losfee sah für uns den schwerstmöglichen Weg ins Finale vor. Wenn beide ihre Hausaufgaben erledigen würden, hätte man mit Wehen Wiesbaden oder dem FSV Frankfurt gleich beide hessischen Drittligisten schlagen müssen. Eine schwierige Aufgabe. Auch die Mehreinnahmen wären bei einem Heimspiel gegen Wehen, bei dem zuletzt nur 2.000 Zuschauer den Weg ins Auestadion fanden, überschaubar gewesen.

Schwerer als diese nackten sportlichen Fakten und die finanziellen Einbußen wiegt aber, dass der KSV in Lohfelden Gunst verspielt hat, die sich die Mannschaft durch zuletzt starke Heimspiele gegen Stuttgart und Elversberg mühsam verdient hat. Dazu kommt, dass es in den letzten Jahren gerade die Pokalspiele waren, die den Löwen-Anhängern das sportlich langweilige Ligageschäft versüßten. Und war es nicht gerade Cramer, der zum Saisonstart immer wieder betont hat, dem Pokalwettbewerb eine hohe Bedeutung einräumen zu wollen?

Der Auftritt hat einen weiteren faden Beigeschmack. Der KSV schickt sich mit seiner neuen Ausrichtung an, Magnet für aufstrebende nordhessische Talente zu sein. Das Spiel in Lohfelden war also auch eines, bei dem man für das Image hätte werben können. Dazu muss man vor der eigenen Haustüre allerdings anders auftreten. Unerlässlich ist es dann, dem Gegner den nötigen Respekt zu zollen. Die Aufstellung spach jedoch eine andere Sprache. Cramer hat mit ihr zu hoch gepokert und viel verloren.

In den kommenden Ligaspielen gegen unmittelbare Tabellennachbarn gilt es wieder Wort zu halten und auf den Platz zu bringen, was vor Saisonbeginn versprochen wurde und was zuletzt leise Hoffnung hat aufkeimen lassen: ehrlicher und bodenständiger Fußball. Davon war in Lohfelden erstmals in dieser Saison nichts zu sehen.

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