„Man nimmt das nur auf sich, wenn man fußballverrückt ist!“ – 3,6 Fragen an Tobi Bredow

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Beim KSV überall einsetzbar: Tobi Bredow; Foto: Rösch

Er ist der eigentliche Allrounder beim KSV Hessen Kassel: Physiotherapeut, Aufwärmgestalter, Testkick-Aushelfer und U23-Kicker Tobias Bredow. Nicht umsonst hat Blog36 dem 28-Jährigen gleich zwei Schlachtgesänge gewidmet.  Wahrscheinlich wird kein Physio häufiger besungen als er. Und das zurecht. Die 3,6 Fragen mit ihm drehen sich heute um die schwierige Saison mit der U23, sein Leben mit und für den KSV und warum es sich lohnt, in der kommenden Saison Sonntags mal auf dem G-Platz vorbeizuschauen. „Who needs Mourinho? We’ve got our Physio!“

 

Blog36: Hi Tobi, erstmal Gratulation zum Klassenerhalt des KSV Hessen Kassel II in der Verbandsliga Nord. Der ist ja nun am Ende mit Ach und Krach durch das 2-2 gegen den TSV Rothwesten geglückt. Nachdem ihr im Vorjahr noch ziemlich heftig an die Tür zur Hessenliga geklopft habt, war diese Saison in vielerlei Hinsicht eher ernüchternd. Wie bewertest du die abgelaufene Saison?

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Verbreitet auch in der kommenden Saison gute Laune im Rudel: Tobi Bredow – Physiogott; Foto: Rösch

Tobi: Zunächst vielen Dank für die Glückwünsche, auch im Namen der gesamten Mannschaft. Wir waren in der Tat nach dieser holprigen Saison alle sehr erleichtert, als der Verbleib in der Liga feststand. Es gibt sicherlich mehrere Gründe, warum diese turbulente Saison erst am letzten Spieltag gerettet werden konnte. Durch einen großen Umbruch standen in der Sommervorbereitung nur wenige Spieler für den nominellen Kader zur Verfügung, was sich dann auch im Saisonstart manifestierte mit 11 Punkten aus den ersten 14 Spielen. Durch eine Siegesserie zum Ende der Hinrunde konnten wir uns vor der Winterpause etwas Luft verschaffen und die Vorbereitung auf die Rückrunde verlief deutlich besser als im Sommer. Wie in der Hinrunde mussten wir aber erneut in vielen Spielen heftige Rückschläge hinnehmen, was nicht immer spurlos an der jungen Mannschaft vorbeiging. Vor allem die jungen Spieler haben sich aber Woche für Woche immer wieder in beeindruckender Art und Weise gegen den drohenden Abstieg gestellt. Auch die Hilfe aus der Regionalligamannschaft war da natürlich überaus wichtig. Es ist für eine Zweitvertretung normal, dass jede Woche eine andere Mannschaft auf dem Platz steht, sodass sich wenige Automatismen einstellen können. Die Zahl der eingesetzten Spieler war diese Saison aber selbst dafür mit 42 enorm hoch. So etwas dürfen und sollen natürlich keine Ausreden sein, aber das macht es nicht immer einfach, gerade wenn enge Spiele gegen Mannschaften auf Augenhöhe bevorstehen, wo es auf Kleinigkeiten ankommt. Was die Schlussphase der Saison angeht muss man den jungen Spielern, die entweder im ersten Seniorenjahr oder sogar eigentlich noch für die U19 spielberechtigt waren, ein großes Kompliment für die gebrachten Leistungen machen. Man darf gespannt sein, wer in den nächsten Jahren oder auch schon Monaten den nächsten Schritt in Richtung Regionalligamanschaft schaffen wird.
Alles in allem sind wir froh, den  Klassenerhalt am Ende gesichert zu haben, machen jetzt erstmal ein paar Tage frei und freuen uns dann schon auf die nächste Saison in der Verbandsliga. Unser Trainer Thorsten Hirdes ist bereits eifrig mit der Kaderplanung beschäftigt und ich bin sicher, dass wir zur kommenden Saison wieder einen größeren und auch leistungsstarken Kader zur Verfügung haben werden.

Blog36: Du bist ja der eigentliche Dauerbrenner beim KSV: als Physio immer mit der 1. Mannschaft unterwegs und dort mangels Besetzung des Co-Trainer-Postens auch aktiv von Cralle in die Abläufe miteinbezogen und gleichzeitig Führungsspieler in der 2. Mannschaft. Wie sieht eigentlich eine typische Woche mit dem KSV bei dir aus?

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Geschafft! Klassenerhalt gegen Rothwesten und Tobi mittendrin; Foto: Rösch

Tobi: Montagmorgen fängt die Woche für mich in der Praxis physio fit an, wo ich ganz normal in den Praxisalltag eingebunden bin, allerdings nur am Vormittag, damit ich für die Versorgung der Spieler im Rahmen des Nachmittagstrainings zur Verfügung stehen kann. Am Dienstag bin ich dann ausschließlich am Trainingsgelände und im Anschluss an meine Arbeit rund um die Regionalligamannschaft stehe ich als Spieler für die U23 auf dem Trainingsplatz. Mittwochs hat die Mannschaft in der Regel frei, sodass ich an diesem Tag meine Aufgabe als Dozent für das Fach „Sportphysiotherapie“ an der Kasseler Dr-Rohrbach-Schule wahrnehmen kann. Am Abend haben wir mit der U23 die zweite Trainingseinheit der Woche. Donnerstagmorgen geht es für mich wieder ins physio fit und nachmittags zum Training der ersten Mannschaft. Freitag erfolgt dann bei beiden Mannschaften das Abschlusstraining für die Spiele am Wochenende, wo dann am Samstag Regionalliga und am Sonntag Verbandsliga auf dem Plan steht. Wahrscheinlich kann man dieses Programm auf sich zu nehmen nur verstehen, wenn man ähnlich fußballverrückt ist. Aber momentan macht es mir noch immer sehr viel Spaß in beiden Funktionen auf oder neben dem Platz zu sein und ich freue mich schon auf die neue Saison.

Blog36: Die vergangenen Wochen waren sehr turbulent für den KSV Hessen Kassel. Auch an der U23 ist das sicher nicht spurlos vorbei gegangen. Wie geht es im kommenden Jahr weiter?

Tobi: Dass der Verein finanzielle Schwierigkeiten hat, haben wir Spieler der U23 bereits in den letzten Jahren immer mal wieder zu spüren bekommen, allerdings war es in dieser Saison natürlich verschärft, was ja in den letzten Wochen ein großes Thema war und natürlich auch an unserer Mannschaft nicht spurlos vorbeigegangen ist. Da möchte ich auch allen, die Zeit und Geld aufgewendet haben, um dem Verein zu helfen „Danke“ sagen. Ich denke, dass gerade die vielen Ideen derer, die den Verein momentan tatkräftig unterstützen zeigen, dass dieser Verein lebt wie lange nicht. Nun bleibt zu hoffen, dass die Bemühungen ausreichen, um in der nächsten Saison nicht nur Regionalligafußball spielen zu können, sondern vor allem den gesamten Nachwuchsbereich weiter auszubauen und zu verbessern. Wie ich bereits erwähnt habe beschäftigt sich unser Trainer intensiv mit der Planung für die neue Saison und hat auch bereits trotz der Vereinssituation einige Zusagen von Spielern erhalten, die dem Verein die Treue halten oder auch neu dazukommen werden. Was das rein sportliche betrifft bin ich da deutlich zuversichtlicher, als vor der abgelaufenen Saison.

Blog36: Die 3,6te Frage in dieser Rubrik hat traditionell etwas mit der Fanszene zu tun. Es ist sicher erstaunlich, dass nicht mehr Zuschauer eure Spiele besuchen – ein Problem, dass sicher alle zweiten Mannschaften haben. Es gibt zwar keine Helene Fischer als Halbzeitattraktion, aber dafür geilen Kuchen, lecker Worscht sowie attraktiven und torreichen Fußball. Mach mal einen Werbeblock: Warum sollten interessierte KSV-Zuschauer, die Samstags ins Stadion gehen, auch Sonntags bei den Junglöwen vorbeischauen und euch unterstützen?

Tobi: Ja, also zum Glück gibt es keine Halbzeitattraktion [Blog36 pöbelt: Naja, außer der nervigen Schlagermucke aus der Dose] sondern alles, was den Amateurfußball ausmacht: Kaffee, Kuchen, Bratwurst und Bier wird von ehrenamtlichen Vereinsmitarbeitern verkauft, die wöchentlich im Einsatz für den KSV sind. Dazu ein athmosphärischer und geschichtsträchtiger G-Platz, auf dem sich die Talente der Region für die erste Mannschaft empfehlen möchten. Und dies gilt nicht nur für die U23, sondern auch für alle anderen Teams der Nachwuchsabteilung, die es sich anzuschauen und unterstützen lohnt. Was die U23 betrifft hat gerade die Kulisse beim letzten Heimspiel gezeigt, dass viele Menschen im und um den Verein auch „die Zwote“ unterstützen. Natürlich freuen wir uns, wenn in den kommenden Spielzeiten der Zuspruch weiter steigt. Ich kann den Leuten versprechen, dass sie eine Mannschaft sehen, die 90 Minuten Vollgasfußball mit Herz und Leidenschaft spielt und alles in die Waagschale wirft, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.

Blog36: …und man konnte jedenfalls bisher mit Buschi und dem Ochser auch noch zwei Spieler sehen, die irgendwann ins KSV-Museum gehören. Danke, lieber Tobi, dass du dir die Zeit genommen hast. Dir erstmal ein paar schöne fußballfreie Tage und wir sehen uns dann in der kommenden Saison. Hau rein!

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Ein Gedanke zu „„Man nimmt das nur auf sich, wenn man fußballverrückt ist!“ – 3,6 Fragen an Tobi Bredow“

  1. Wann wird die U23 eigentlich eingestellt? Wie beschrieben kämpft man Jahr für Jahr mit ausstehenden Zahlungen und mangelndem Zuschauerinteresse. Wenn selbst sogar wirtschaftlich besser aufgestellte Clubs ihre Zweitmannschaften auflösen, warum hält der notorisch klamme KSV an diesem Team so fest? Durch den Cheftrainer TC kann man davon ausgehen, daß wirklich talentierte Spieler direkt den Weg von der U19 in den Regionalligakader finden. Alle anderen können dann die Vereine der Region bereichern…

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