„Mir wird das alles hier sehr fehlen!“ – Henrik Giese verabschiedet sich

Nun ist es also raus: Henrik Giese verlässt zur kommenden Saison den KSV Hessen Kassel und schließt sich dem Hamburger SV an. Das Blog36-Idol zieht es zurück in den Norden. Doch warum nur? Lässt er uns etwa im Stich? Geht er einfach durch die Hintertür? Hat er die Nase voll? Erdrückt ihn die Liebe von Blog36? Henne wäre nicht Henne, wenn er den Fans seine Entscheidung nicht erklären würde. Daher hat er uns dankenswerterweise zum Abschied ein paar Zeilen hinterlassen.

2016-07-25 Henne Fulda
Henne sagt Tschüss!; Foto: Blog36

Zuvor müssen wir aber noch ein paar Worte loswerden: Henrik Giese wird fehlen in der kommenden Saison. Auf dem Platz sowieso, aber auch daneben. Er hat in den vergangenen 3 1/2 Jahren mehrfach genau in den Momenten Verantwortung übernommen,  als dazu nur wenige bereit waren.

Henne war eine der ersten Verpflichtungen in der Ära Mink zu Beginn des Jahres 2014. Die Liebe unsererseits zu Henne war sofort entfacht, wir wollten ihn beeindrucken und behaupteten am Rande eines Testspiels bei Minusgraden auf dem Kunstrasenplatz schamlos, die „Giesewiesen“ seien kürzlich erst extra nach ihm benannt worden. Wir werden Hennes Blick daraufhin nicht vergessen, der sich allem Anschein nach fragte: „Oh mein Gott, wo bin ich denn hier gelandet? Was sind das denn für kranke Vögel?“

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Henne vorm HSV-Bus. Plötzlich ergibt alles Sinn!; Foto: Rösch

Doch die Zuneigung wuchs, auch wenn Henne es sportlich nicht immer leicht hatte beim KSV. Von Matthias Mink wurde er zwischenzeitlich sogar mal mit Nicht-Achtung gestraft. Es ist jetzt ziemlich genau zwei Jahre her, als wir im Hessenpokalhalbfinale Wehen-Wiesbaden in der Verlängerung besiegten und Henne in diesem Spiel sein fulminantes Comeback feierte. Stefan Müller musste blutend vom Platz, Henne wurde als Notnagel eingewechselt und räumte alles, aber wirklich alles ab. Am Ende stand die Null, vorn traf Enno Gaede und Henne war einer der Pokalhelden. Wir sprachen ihn nach dem Spiel auf seine furiose Leistung trotz fehlender Spielpraxis an. Er reagierte wie gewohnt, mit etwas nordischer Unterkühlung: „Tja, ich hab dem Trainer gesagt: Ich komm sowieso immer hierher wenn Spiele sind. Und wenn ich schon da bin, kann ich auch mal mitspielen!“ Spätestens da war das Feuer entfacht: Henrik Giese + Blog36 = Big Love! Wir kritzelten das an jede Toilettenwand und ritzten das in jeden Baum.

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Traumtor gegen Pirmasens, verewigt in einem Gastbeitrag für Blog36; Foto: Hedler

Henne war fortan Stammspieler und Leader eines jungen Löwenrudels. Im Gegensatz zu Mink setzte Tobi Cramer voll und ganz auf Henne und bezeichnete ihn als Wunschspieler. Im letzten Sommer dann: großes Aufatmen! Viele suchten das Weite, Henne blieb. Vor der aktuellen Saison führten wir dann unser erstes großes Interview mit Henne, nach seinem Freistoßkracher gegen Pirmasens folgte dann ein Gastbeitrag, in dem Henne die Entstehungsgeschichte des Tores beschrieb.  Wir komponierten ein Lied für ihn, dessen Text zwar niemand verstand, doch die HNA berichtete trotzdem. Henne stieg auf zum Publikumsliebling und zahlte es mit Leistung zurück. Er übernahm neben dem Platz Verantwortung als Trainer der B-Juniorinnen und brachte sich über alle Maßen in den Verein ein.

Über seinen Abgang sind wir traurig. Henne wird fehlen. Doch gleichzeitig freuen wir uns für ihn und die Möglichkeit, sich einen Herzenswunsch zu erfüllen. Wir wünschen ihm alles erdenklich Gute für die Zeit beim Dino der Bundesliga und hoffen, dass er die Zeit beim Dino der Regionalliga nicht vergessen wird.

So, nun aber lassen wir aber endlich Henne selbst sprechen…

 


 

Liebe KSV-Familie,

wie vor kurzem veröffentlicht wurde, habe ich mich dazu entschlossen in der kommenden Saison zum Hamburger SV II zu wechseln. Dank der coolen Jungs von Blog36 kann ich nochmal ein paar persönliche Zeilen zum Abschied loswerden.

Glaubt mir, diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich weiß wirklich sehr zu schätzen, was ich hier in Kassel habe. Nicht nur in der Stadt fühle ich mich wohl, sondern vor allem wegen dem Verein und dem Umfeld. Dazu gehören die Dinge, die der Verein für die Spieler zur Verfügung stellt bzw. zur Verfügung stellen lässt, damit man sich als Spieler ideal vorbereiten bzw. regenerieren kann. Das sind zum Beispiel die Regenerationsmöglichkeiten: Therme, Fitnessstudio, physiotherapeutische Behandlung, aber auch die Trainingsplätze. Das alles ist wirklich hervorragend und keine Selbstverständlichkeit für einen Regionalligaverein. Zum anderen ist das natürlich die Mannschaft, die dieses Jahr aus sportlicher und menschlicher Sicht wirklich hervorragend zusammengestellt wurde. Zu guter Letzt bin ich auch sehr dankbar für die treuen Fans, nämlich die, die uns besonders in der aktuellen Saison auch dann unterstützt haben, als es nicht selbstverständlich war. Da kann ich sicher im Namen der Mannschaft sprechen: wäre der Verein nicht so auf das Geld angewiesen, wir wären sehr zufrieden mit den 1600-1800 Fans im Auestadion. Bei euch wissen wir zu 100%, dass ihr  hinter uns steht. Für euch haben wir uns in dieser Saison den Arsch aufgerissen, bis zur letzten Minute alles versucht, gekämpft und zerrissen. Der Trainer lebt es vor und hat den Verein durch sein Wesen, seine Art Fußball zu spielen und durch seine Transferpolitik wieder näher zusammengeführt. Der Bindung zwischen Fans und Spielern hat das auf jeden Fall in hohem Maße gut getan.

Kurzum: Kassel passte einfach zu mir. Ich habe ja auch mal gesagt, dass Kassel wie Kiel ohne Wasser ist und dabei bleibe ich. ;-) Ich fühle mich hier pudelwohl, kenne mittlerweile fast jeden, ob Sponsor, Fan oder Verantwortlicher. Das gibt einem schon ein gutes, ja sogar ein heimisches Gefühl. Zudem bin ich ja auch seit Januar 2017 Trainer der B-Juniorinnen. Das macht mir auch wirklich großen Spaß und es fällt mir wirklich schwer, das am Saisonende wieder aufzugeben.

Ich gehe hier aus einer von mir gesponnenen Wohlfühloase, mit einem geilen Trainerteam und Funktionsteam, einer super Mannschaft, meinem Job als Trainer und einem perfekten Privatleben mit einer tollen Freundin und einem tollen Freundeskreis. Die Entscheidung habe ich mir keinesfalls leicht gemacht. Daher ist die Begründung, dass ich einfach nur näher an der Heimat sein möchte nicht ausreichend. Na klar ist es schön, nur noch eine Dreiviertelstunde nach Hause zu fahren. Aber das Gesamtpaket, das der HSV mir geschnürt hat, inklusive der neuen sportlichen Aufgabe und Herausforderung, haben mich letzten Endes zu der Entscheidung bewogen. Viele meiner aktuellen Mitspieler beim KSV wurden früher in einem Bundesligaverein fußballerisch ausgebildet. Davon träumt doch jedes Kind. Mir wurde das leider immer verwehrt. Deshalb freut es mich enorm, dass ich es jetzt in der Endphase meiner Karriere nochmal geschafft habe, das Trikot eines Bundesligavereins zu tragen. Im Übrigen ist es deprimierend festzustellen, dass ich gefühlt letzte Woche noch der Jungspund war und heute auf einmal schon 28 Jahre alt bin. Die Zeit läuft unaufhaltsam.

Meine Entscheidung hat auch überhaupt nichts mit der aktuellen finanziellen Situation beim KSV zu tun. Keineswegs. Ich bin ein Typ, der auch in schwierigen Zeiten zu einem Verein steht, deshalb habe ich auch nicht lange überlegen müssen, als mich Tobi Cramer vor der Saison angerufen hat und mir sagte, dass er mich gern behalten würde. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir vielleicht einen Kader mit 11 Spielern.

Ich bin zudem im Januar 2014 zum KSV Hessen Kassel gekommen, als es den Verein sportlich nicht gut ging und wir einige Punkte Rückstand auf das rettende Ufer hatten. Aber wir haben uns da raus gekämpft. Daher bin ich auch diesmal wieder überzeugt, dass der Verein aus dieser prekären Lage herauskommt und das gestärkt. Es gibt so viele kluge Köpfe im Verein, auch in der Fanszene, die alles für diesen Verein tun würden.

Mir wird das hier alles sehr fehlen! Es waren dreieinhalb geile Jahre, in denen ich immer alles gegeben habe. Klar, mal läuft es für einen persönlich etwas besser oder auch mal schlechter. Tja, so ist das Leben. Aber der Fußball öffnet einem immer wieder neue Türen. Ich werde den Verein, die Mannschaft und die Fans wirklich immer in guter Erinnerung behalten und ich hoffe, ihr mich auch. Aber erstmal haben wir noch drei Wochen, in denen ich mich von euch vernünftig auf dem Platz verabschieden möchte. Vielleicht gibt es ja mal wieder einen Freistoß aus aussichtsreicher Position :-)

Bis hoffentlich bald

Eure Henne

(P.S.: Was für ein scheiß Spitzname. Danke sehr, Tobi Schlöffel!)

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