Cralle. Liebe. Hoffnung. – Der Herbstmeister ist zu Gast!

Vorwort in eigener Sache: Blog non grata?

Bevor wir den Vorbericht zum kommenden Heimspiel gegen Saarbrücken auf euch loslassen, müssen wir zunächst etwas in eigener Sache loswerden. Seit dem ersten Spieltag der laufenden Saison schreibt Blog36 Vorberichte für jedes Heimspiel der Löwen. Diese Vorberichte wurden, bis zuletzt, auf der Vereins-Webseite als Gastbeiträge veröffentlicht. Fortan nicht mehr. Wie ist es dazu gekommen?


In der Sommerpause wurde Blog36 bei einem Treffen der Abteilung Herzblut angesprochen, ob man sich nicht vorstellen könnte, das Medienteam durch die Beisteuerung der Heimspiel-Vorberichte entlasten zu können. Wir sagten gerne zu, wir wollten den Verein damit doch wie auch immer unterstützen. Vom legeren Blog36-Schnack erhofften sich beide Seiten, eine gewisse Vorfreude auf die Heimspiele zu wecken. Um die Gastbeiträge als solche kenntlich zu machen und gleichzeitig die Privatsphäre der Blog36-Autoren zu wahren, entschied man sich dazu, Blog36 als Autor anzugeben. Blog36 lieferte ab, die Rückmeldungen aus dem Verein und dem Umfeld waren positiv, auch Frau Rüdlin gab alle Texte ohne viel Beanstandung frei.
Am gestrigen Mittwochabend (22.11.) erreichte uns, kommuniziert von Pressesprecherin Alexandra Berge, die überraschende Mitteilung, unsere Gastbeiträge seien auf der Vereinshomepage nicht länger gewünscht. Konkret sah das wie folgt aus: Diese Entscheidung wurde von Aufsichtsrat und Vorstand getroffen, Alexandra wurde dann vorgeschickt, um uns die Mitteilung zu überbringen. Von keinem Gremienmitglied gab es dazu eine persönliche Erklärung, obwohl zahlreiche Kontakte bestehen, die ein offenes Gespräch ermöglicht hätten. Vorstand und Aufsichtsrat möchten keine Artikel mehr auf der Homepage sehen, die von „externen“ Personen stammen. Interessant, wurden doch formal zwei Blog-Mitglieder, zumindest teilweise, in das Medienteam aufgenommen, damit sich niemand übergangen fühlt. Interessant auch, weil unter uns zahlreiche Vereinsmitglieder, Dauerkarteninhaber sowie engagierte und treue Fans sind.
Nachdem kürzlich ein Mitglied des Aufsichtsrates bei einem Fantreffen für eine offene Kommunikation warb, befremden uns die jüngsten Vorgänge. Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre des Vorberichts zum Saarbrücken-Spiel.


 

Am kommenden Samstag gastiert mit dem 1. FC Saarbrücken der unangefochtene Spitzenreiter und Herbstmeister im Auestadion beim Tabellenletzten, unseren Löwen. Anpfiff ist um 14 Uhr. Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie!

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Foto: Rösch

Wie motiviert ein Fußball-Blog eines seit zwölf Ligaspielen sieglosen Regionalligisten seine Leserinnen und Leser am kommenden Samstag ins Stadion zu gehen, wenn der Gegner 1. FC Saarbrücken heißt und dieser Spitzenreiter der Regionalliga Südwest ist? Keine einfache Aufgabe. Es ist das Duell Erster gegen Letzter. Unsere Löwen brauchen am Samstag eigentlich 3 Punkte um den Kontakt zu den Nicht-Abstiegsplätzen nicht zu verlieren. Doch dummerweise wurde ihr Gegner, der frisch gekürte Herbstmeister aus dem Saarland, in dieser Spielzeit erst ein einziges Mal bezwungen – und das war bereits im August von Freiburg II. Von den letzten acht Spielen gewann Saarbrücken sieben und zeigte sich zudem mit Erfolgen in Offenbach und Mannheim überaus auswärtsstark. Es besteht kein Zweifel: Am Samstag gastiert mit dem 1. FCS einer der beiden Südwestvertreter in den Relegationsspielen um den Aufstieg in die 3. Liga im Auestadion.

Auch der Blick auf das Hinspiel in dieser Saison gibt wenig Grund zur Hoffnung: binnen 20 Minuten hatte das glänzend aufgelegte ( Sturmduo Schmidt und Behrens die Defensive unserer Équipe dreimal auseinander genommen und gleichzeitig unseren Neu-Pokalhelden Lucas Albrecht einen Knoten in die Beine gehext, so dass dieser verletzt ausgewechselt werden musste. Doch die Löwen bewiesen Moral, steckten nicht auf und kamen in der 2. Halbzeit durch Sergej Schmik immerhin noch zum Anschlusstreffer, womit die Auswärtsniederlage im verträglichen Rahmen blieb. Lange Rede, kurzer Sinn: unsere Löwen sind am Samstag krasser Außenseiter, da helfen auch die Durchhalteparolen der vergangenen Wochen wenig. Ebenso wenig hilfreich ist es, die Statistik zu bemühen, denn immerhin ist unsere Heimbilanz positiv. Seit die Saarländer vor gut drei Jahren aus der 3. Liga abstiegen, kam es zu drei Duellen im Auestadion, von denen unsere Löwen zwei für sich entscheiden konnten. Das Heimspiel in der vergangenen Spielzeit endete zudem torlos. Doch was nützt das, wenn die Zahlen in dieser Saison eine derart klare Sprache sprechen?

Alle Beteiligten müssen am Samstag tief in die Trick-Kiste greifen – auch die Fans: Wenn eine Tibet-Flagge die U20 der chinesischen Nationalmannschaft dazu bringt, in Mainz das Spielfeld zu verlassen, stellt sich die Frage, welche Flagge wir am Samstag aufhängen müssten, damit Saarbrücken beleidigt vom Platz geht und damit den Spielabbruch erzwingt, der uns drei unverhoffte Punkte im Kampf gegen den Abstieg beschert? Die Französische vielleicht? Oder die vom FC 08 Homburg? Oder ebenfalls eine tibetanische Flagge? Wir sind da politisch und historisch nicht ausreichend bewandert.

Die Lösung sollte also besser auf dem Platz gefunden werden – allen voran von Trainer Tobias „Cralle“ Cramer. Der Sieg im Pokal in Willingen sowie der Auftritt in Mannheim sollten Mut machen. Beim amtierenden Vizemeister hielten die Löwen lange gut mit, erspielten sich gegen einen starken Gegner eine Reihe von Chancen und verloren nur, weil Mannheims Stürmer Maurice Deville akute Fallsucht plagte und der Schiri sich nicht zu blöd dafür war, kurz vor Schluss auf Elfmeter für die in Kassel bereits bestens bekannte Schauspielertruppe zu pfeifen. Dennoch: die letzten beiden Partien zeigten, dass bei den Löwen nach wie vor Leben in der Bude ist. Cralle erreicht die Mannschaft nach wie vor, die Stimmung ist intakt. Eine Alternative zum jetzigen Trainer gibt es aufgrund der finanziellen Situation ohnehin nicht. Doch nicht nur aufgrund dieses Sachzwangs ist Cralle nach wie vor der richtige Mann für den Job. Der neue Weg der Regionalität, der Demut und der Bescheidenheit ist untrennbar mit Cralles Person verbunden. In den vergangenen 3 ½ Jahren hat er die Ausrichtung des Vereins wesentlich mitgeprägt. Zwölf sieglose Spiele in Folge? In jedem Verein würden im Umfeld die Fetzen fliegen. Beim „alten“ KSV wäre das sicherlich auch so passiert. Doch stattdessen gibt es weiterhin viel Geduld und Unterstützung – wohl auch weil jedem klar ist, dass die vielen Verletzungen für eine extrem dünne Personaldecke gesorgt haben. Mit dieser Unterstützung für Trainer und Mannschaft wird auch der beschrittene Weg der Regionalität gestützt. Damit darf auch in dieser ernsthaften sportlichen Krise nicht fahrlässig umgegangen werden.

Gegen Saarbrücken geht es um drei wichtige Punkte, die der KSV benötigt. Die Vorzeichen könnten wahrlich besser sein. Warum lohnt dann dennoch ein Besuch im Auestadion am Samstag? Natürlich, weil die Löwen schon öfters bewiesen haben, Favoritenschreck sein zu können und es zu Beginn 0:0 steht. Aber vor allem lohnt sich der Besuch, weil die Trendwende nur gelingen kann, wenn Cralle und seine Jungs weiterhin die Bestätigung aus dem Umfeld bekommen, dass der eingeschlagene Weg der Richtige ist. Mag nach Trotz klingen, ist aber getragen von dem festen Glauben daran, dass nach dem 38. Spieltag abgerechnet wird. Wie gesagt: das Spiel beginnt mit 0:0.

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6 Gedanken zu „Cralle. Liebe. Hoffnung. – Der Herbstmeister ist zu Gast!“

  1. Es ist sehr positiv zu werten, dass die Berichte des Blogs nicht mehr auf der Vereinsseite zu finden sind. Das hatte mich eh irritiert. Dieser Blog ist kein Vereinsorgan, sondern soll kritisch sein und bleiben. Das geht natürlich nicht, wenn man sich mit dem Klub gemein macht. Konstruktiver ist eine kritische Begleitung.
    Da braucht man nicht beleidigt sein, sondern es als Chance sehen.
    Vielleicht auch als Chance wesentlicher kritischer mit der sportlichen Leitung umzugehen. Seit Monaten ist sportlich keine Weiterentwicklung zu erkennen und die Ergebnisse sprechen für sich. Warum hier in Nibelungen-Treue zum Pleiten-Trainer gestanden wird, erschließt sich mir nicht. Insolvenz hin oder her.

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    1. Mit dem regelmäßigen Feuern der Trainer und kurzfristigen Konzepten sind wir in den vergangenen 10 Jahren nicht wirklich gut gefahren.

      Ich gehe sogar einen Schritt weiter: Ich würde mir ein klares Statement wünschen, mit Cramer notfalls in die Hessenliga zu gehen und ihn beauftragen, zweigleisig zu planen. Das wäre ein erfolgversprechendes Signal an Sponsoren, Mannschaft und Fans. Vereine wie Freiburg, Braunschweig oder früher Bremen sind damit gut gefahren. Zudem finde ich das, was Cramer vereinskulturell dargestellt, ehrliches arbeiten, Demut und Herzblut absolut vorbildlich. Eine Trainer Diskussion ist so überflüssig wie Balubeersorbet zu Pommes rot weiß.

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      1. Ob es eine Trainerdiskussion geben soll, bestimmst nicht du, sondern die Ergebnisse. Und die sind schlecht. Sehr schlecht. In der Winterpause sollte man sich ehrlich in die Augen schauen. In meiner Wahrnehmung erreicht Cramer die Mannschaft nicht mehr, sein geradezu skandalöses Auftreten auf der letzten PK in Mannheim machen das Gesamtbild nicht besser.

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      2. Ich gehe natürlich davon aus, dass Du das Spiel in Mannheim per live Stream oder im Stadion gesehen hast und dann daraus die Vermutung ableitest, dass der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreicht. habe ich aber anders erlebt.

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      3. Selbstverständlich habe ich mir das Spiel angesehen. Ich würde mir nicht anmaßen, eine sportliche Stagnation bzw. sogar Rückschritt festzustellen ohne Live-Eindrücke. Zum Gesamtbild passt ja nicht nur das Spiel gegen Mannheim, sondern auch Spiele wie gegen Stadtallendorf. Fürchterlich. Ich leg mich fest: Mit Cramer wird es die Regionalliga in Kassel nur noch ein halbes Jahr geben. Wer weiß, wann wieder…

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  2. Die Verquickung von Verein und Blog36 war doch ohnehin zu eng. Seid doch froh, daß sich das jetzt (wenn auch zwangsweise) wieder auflöst. Die Strukturen bleiben eben wie sie immer waren: intransparent und von Provinzgroßkopferten gemacht.
    Deshalb wird der KSV die Wende in die Moderne auch nicht schaffen…

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