Football is a nine-to-five job

Der Ball ist Rund und ein Spiel dauert 90 Minuten? Quatsch! Es heißt ja nicht umsonst Spieltag. Von der Auswahl des Outfits am Morgen bis zum Kneipenbesuch am Abend: Beim Heimspieltag dreht sich alles um den KSV. Deswegen gibt´s für euch heute die Highlights des Spieltages aus persönlicher Sicht.

9 Uhr. Aufstehen.

Der Absacker in der Mutter hätte gestern nicht mehr sein müssen. Helmschmelze und Pappmaul, das habe ich mir gestern immerhin redlich erarbeitet. Das kann man auch mal genießen. Hab ja schließlich auch viel Geld reingesteckt. Morgenroutine. Hydration, Duschen, Zähneputzen. Die Zahncreme ist natürlich rot-weiß gestreift. Man will sich ja hübsch machen, wenn man Gäste erwartet. Denn heute kommen alte Bekannte aus dem Lahn-Dill-Kreis. Cralle gegen Mink, Insolvenz gegen Hochgekauft, Tempo gegen Bremsenhersteller, Kassel gegen Steinbach.

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Ob Co-Trainer Tobi Damm schon eine weise Vorausahnung hatte, als er Matze Mink begrüßte? Foto: Fullewasser

9:25 Uhr. Erstkontakt.

Das Telefon brummt, die WhattsApp-Gruppe läuft sich langsam warm. Wer? Wann? Wo? Um 10:10 Uhr erfolgt die erste Beleidigung eines nicht teilnehmenden Blog36-Mitglieds. Richtig so! Wer am Spieltag in Südhessen herumlungert hat nichts verdient außer Schelte.
Der Treffpunkt wird wie üblich vereinbart beim Kaufmann für Kebabwaren ab mittags.
Das gibt mir Zeit nochmal die Vorberichterstattung durchzugehen, die Blog36 bereits drei Tage zuvor veröffentlicht hat. Nochmal die Zahlen checken; Die letzten vier Spiele, drei Unentschieden, ein Sieg. Dann die Rechenspielchen: Welche Möglichkeiten bietet die Tabelle heute bei einem Sieg? Wo stünden wir gerade mit neun Punkten mehr? Es verspricht Spannend auf dem Rasen zu werden. Ich freue mich auf großen Sport bei bestem Wetter. Apropos Wetter…

11 Uhr. Modenschau.

Der Wetterbericht sieht gut aus. Geringe Regenwahrscheinlichkeit, vereinzelt ein paar Wolken. Das heißt leichtes Schuhwerk. Aber obenrum? Schwierig. Ich habe einfach zu wenig KSV-Merch. Alles in der Wäsche oder auf dem Weg dahin. Rotes T-Shirt muss heute reichen. Schal dabei, Mütze drauf, fertig. Doch keine Mütze? Mütze passt nicht zum Rest. Also Alles nochmal von vorn. So vergeht locker ein halbe Stunde. Nochmal für kleine Löwen und ab geht´s zum Treffpunkt.

12:30 Uhr. Briefing.

Treffen klappt wie vorhergesehen, eine Umarmung hier, ein „Moin, moin!“ da, schon sind wir zu dritt und es gibt erstmal ein ordentliches Kalbfleischknoppers. Bierchen? Nee, noch zu früh. Die Vorbesprechung beginnt. „Was hast du getippt? Wie viele Zuschauer kommen heute? Schmegget dann de Worscht? Wo liegt eigentlich Haiger? Shipi, Matze Mink, Welker.“

Schnell wird klar: Die Lage ist ernst. Heute ist Heimspiel. Damit ist nicht zu spaßen. Außerdem ist es schon viel zu spät. Wir müssen los, wenn wir noch zum Löwentreff wollen.

12:50 Uhr. Pilgern.

Straßenbahn zum Rathaus. Umstieg. Hier wächst die Fangemeinde weiter. Die anrauschende Linie 6 ist einigermaßen gut gefüllt mit rot-weißen Schals, ausgebleichten Schirmmützen und preiswertem Dosenbier. Dengel, dengel, schepper, schepper den Weinberg runter. Ich ordne die Leute im Kopf schon mal ihren Plätzen im Stadion zu: „Haupttribüne, Haupttribüne, Block 30, Haupttribüne (aber eigentlich auf der Ost).“ Auf der Fahrt zum Stadion beginnt die Vorfreude so richtig und ich merke wie die Abstände der Haltestellen immer länger zu werden scheinen. Von der Heinrich-Heine-Straße bis zum Auestadion vergehen für mich immer Stunden.

13 Uhr. Endlich daheeme.

Erstmal Bierchen! Moin Alex! Moin Buffy! Moin Tobi! Moin Typ, dessen Namen ich vergessen habe, aber wir uns zu lange kennen ohne dass es peinlich wird danach zu fragen! Ab hier werden die Schritte nicht mehr selbst entschieden. Die Bewegungsbahnen werden vorgegeben durch den Augenkontakt der Anwesenden. Immer wieder „Moin! Na?! Unn?!“ auf zum Nächsten und von vorn. „Moin, Na?! Unn?! Sorry, muss grad rüber dem X Hallo sagen… Moin! Na?! Unn?!“ Dabei wird dann erstmal das neue eKStrablatt abgegriffen. An dieser Stelle: Propz an Block 30 für das Teil. Kommt auch im Block 36 ganz gut an, weiter so! Plötzlich steht man vor dem Löwenmobil. Tobi Krechel fragt, ob es überhaupt Merch Artikel gibt, die ich noch nicht hab. Aus Protest kauf ich mir eine neue Mütze. Das hat er jetzt davon! Außerdem gehen zwei Exemplare der Platte von Axel Traxel über die Theke. Da dreht man sich um und da steht er plötzlich vor einem. Axel höchstpersönlich. Über 70 und immer noch bi ´n Löwen. Die Samba von 1984 ist schon älter als ich und immer noch DER Song im Auestadion. Wahnsinn! Ich sag: „Moin Axel! Na?! Unn?!“
Blog36 wächst derweil stetig weiter, heute sogar mit Verstärkung aus Berlin.

13:40 Uhr. Blocksturm.

Schlange stehen, abtasten, Dauerkarte, rein. Das war anstrengend, erstmal Bierchen.
Der Block füllt sich. Eine Umarmung hier ein „Moin, moin!“ da. Alle in bester Laune. Nach 15 Minuten stelle ich erschreckt fest, dass mein Bier einfach nicht leerer wird. Der Autor staunt: Nanu? Wie geht das? Ein Blick nach oben verrät: Immer wieder knallen faustgroße Wasserbomben vom Himmel in den Becher. Scheiße! Welchem Wetterfrosch kann man denn hier noch vertrauen? Nach kurzer Zeit erinnert mein ganzes Outfit an die Wasserspiele im Bergpark. Von oben lifft mäh de Brieh ´n Buckel nab bis es in einer Fontäne aus meinen Schuhen nur so rausschießt. Scheiße! Hätte ich mir doch länger Zeit genommen für die Auswahl des Outfits.

„Sechsunddreißig wird nie unterstehen!“

Darauf erstmal Bierchen.

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#36wirdnieunterstehn Foto: Fullewasser

Die Mannschaftsaufstellung bietet heute neben ihrer Funktion als Warmbrüllhilfe auch die Möglichkeit dem Wetter etwas entgegen setzen zu können. Wenn ich nur laut genug die blocküblichen Spitznamen der Spieler brülle, wird das Wolkenband schon brechen. #issabernich

14:00 Uhr. Anpfiff.

Leute, lasst mich heute nicht zu viel über das Spiel erzählen. Ich versuche es kurz zusammen zu fassen.

Steinbach hat Fans mitgebracht. Damit hätte ich nicht gerechnet. Auf den Schock: erstmal Bierchen.

Gelb für Schmik, Gelb für Merle. Einsundeinsmachtzwei, ergo: Bierchen. Es wird gefoult, was das Zeug hält. Hat der Schiri anfangs das Spiel noch zerpfiffen, liegt nun ständig irgendjemand auf dem Platz. „JAWOLL, HAU IHN UM! [Pfiff ertönt] WAT DENN?!“ Den Schiri find ich die ganze Zeit schon scheiße. Und dann ist Halbzeit. Zeit für einen kurzen Gang in die Nasszelle. Wenn ich schonmal hier bin, kann ich auch gleich ein Bier mitnehmen.

Nach der Pause geht es, wie zu erwarten, rund im Block. Steinbachs Torwart Löhe wird so gut es geht mit Hasstiraden, insbesondere auf seine Frisur, befeuert. Gelb für Szimayer wegen meckern, Szimayer wird gefoult (Gelb). Szimayer hat die Schnauze voll und schenkt den Steinbachern einen ein. 1:0 für die Löwen. Darauf erstmal Bierchen. Gelb für Candan wegen Zeitspiel. 20 Minuten vor Schluss und die eigene Mannschaft liegt hinten. Das muss der Schiri ahnden! Der Schiri gefiel mir schon die ganze Zeit super. Gelb für Brill. Bei der Fülle an Karten weiß ich heute einfach nicht mehr, wer hier was verbrochen hat. In der 80. Minute kommt dann unser Tim Welker auf den Platz. Der Block 36 grüßt mit einem herzlichen „Welker Eigentor, Eigentor, Weeelker Eigentor“. Melodisch einwandfrei und textsicher. KC and the Sunshineband könnten sich hinter uns verstecken, wenn da nicht schon die Brudershaft wäre. Fünf Minuten vor Schluss haut ABS dann das Ding irgendwie noch rein. 2:0. 90. Minute: Welker macht wie geheißen und beschafft Kassel einen Elfmeter. Mehr können wir von ihm nicht verlangen. Der Luggas steht am Punkt bereit während im Mittelfeld wieder Rangeleien ausbrechen. Endlich der Pfiff. Zack, links unten. Zack, Tor! Zack, Abpfiff! „CRALLE? DREEEI! MINK? NUUULL!“ Höchste Zeit wieder auf Spieltagstraditionen einzugehen, denn das hat doch alles mit Fußball nichts zu tun.

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Macht jetzt auch weniger schöne Tore: Bravo, Adrian Sanchez! Foto: Fullewasser

15:45 Uhr. Abklatschen.

Ab an´n Zaun. Geil gemacht, Jungs! Weiter so! Ey, Basti, geile Bude! Kommt noch einer? Nee? Dann ab. Nee, was war das ein gutes Spiel oder? Haste gesehen als X?! Und der Y?! Krass! Ja! Jürgen, mach´s gut!

16 Uhr. Gästebus.

Wer Gäste empfängt, muss sie auch wieder heraus begleiten. Das gehört sich so. Man bringt den Besucher bis zur Haustür, tauscht Höflichkeiten aus, lädt ein zum nächsten mal „Dann aber bei uns!“ Sehr gerne. Beim KSV ist das nicht anders. Außerdem bietet das Verabschieden eine Hervorragende Möglichkeit Fußballanekdoten auszutauschen, potentiell neuen Spielern ein Kasseler Zuhause schmackhaft zu machen oder alte Bekannte zu treffen, wie unsern Tim Welker. Das mit dem Fasteigentor fand er glaube ich gar nicht so witzig. Im Gegensatz zu Pomadenkönig Freddy Löhe. Geiler Typ, er nimmt´s mit Humor. Verpflichten! Einen vierten Torwart kann man immer gebrauchen. Ohnehin ist es sehr entspannt nach dem Spiel. Die Worte „Steinlöcher Arschbacher“ finden ohne Fußballrasen ihre Bedeutung nicht in Gänze wieder.

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Überzeugte vor allem im Smalltalk: Freddy Löhe. Foto: Fullewasser

Tschüss, macht´s gut. Habt, ja nicht mal Bier mitgebracht! Ohne braucht ihr nächstes mal gar nicht wiederkommen.

Tropfenweise kommen auch die eigenen Jungs nun aus den V.I.P. zurück. Die Freunde aus Berlin staunen über die Bodenständigkeit der eigenen Mannschaft sowie der Gästemannschaft und ihrem Torwart. Man nimmt sich Zeit mit den Fans zu quatschen, macht Witze, lässt das Spiel Revue passieren. Bis alle Spielzüge noch einmal durchgekaut sind, ist es locker 17 Uhr.

17 Uhr. Überstunden.

Um fünf ist überhaupt das erst mal an etwas anderes zu denken, als den KSV. Man macht Abendpläne oder kommt diesen nach. Das Fansein ist eben ein echter nine-to-five-Job, quod erat demonstrandum.

But wait! There is more! Auf dem G-Platz kicken schon unsere Pink Girls On Fire seit geraumer Zeit gegen den TSV Pilgerzell. Das heißt: Überstunden. Zack, los! Wir kommen zu spät. Als wir ankommen steht es bereits 1:1. Erstmal Bierchen. Eine Umarmung hier, „Moin! Na?! Unn?!“

Ohne Zaun und Tartanbahn brüllt es sich gleich ganz anders. Dann streben wir eben eine Fanfreundschaft zwischen den Pilgerzellern und den Tobizellern an. Dann das 2:1, das 3:1 und – sagenhaft – das 4:1 uuuund Abpfiff. Was für ein Erdrutschsieg. Hinterher wird mir mitgeteilt, dass es 4:3 ausgegangen sei und ich einfach bei sämtlichen Gegentoren gerade Bier holen war.

18 Uhr. After-Show-Party.

Ab hier wird meine Zusammenfassung schwierig. Notizen sind unlesbar, Quellen sind unzuverlässig und das Gedächtnisprotokoll verweigert den Zugriff.
Im Vereinsheim ist noch was los. Das heißt: erstmal Bierchen. Keine Zigaretten mehr. Scheiß Südhessen! Also zum Aschoff´s und wenn man schon mal da ist: Eins für unterwegs. In der Umgebung des Auestadions finden sich, auch jetzt noch, immer wieder KSV Fans. Zum Büdchen: Pommes (rot-weiß versteht sich), dazu Bierchen. Weiter, immer weiter… Kneipe: Bierchen, Bierchen „Wie honn dann de Löwen heude gespielt?“, Bierchen. So geht es weiter bis wir um 23 Uhr beim Bloggenossen auf dem Balkon versacken. Hier ist man sich einig: Drei Wochen bis zum nächsten Heimspiel sind einfach zu lang! Zum Abschied erstmal Bierchen.

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Wasserratte: Coach Cramer. Foto: Fullewasser
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Ein Gedanke zu “Football is a nine-to-five job”

  1. Soweit okay.
    Aber ein dicker Fehler hat sich trotzdem eingeschlichen und zwar hier:

    „12:30 Uhr. Briefing.
    ….Bierchen? Nee, noch zu früh…“

    Det stimmt nicht!

    Gefällt mir

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