„Die Fans haben mir immer den Rücken gestärkt!“ – 3,6 Fragen an Shqipon Bektasi

In der Saison 2015/16 war Shqipon Bektasi die große Hoffnung beim KSV Hessen Kassel. Seine Torquote war atemberaubend, nach zehn Spieltagen hatte „Shipi“ bereits elf Kisten gemacht. Doch dann kam der 6. Oktober 2015 – und alles sollte sich von einem Moment zum nächsten schlagartig ändern.

 

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2 Kisten gegen Offenbach; Foto: Rösch

An diesem 6. Oktober war der Tabellensechste Eintracht Trier zu Gast – quasi das Spitzenspiel des Spieltags. Der KSV war Fünfter, es gab nur eine Niederlage in den ersten 10 Spielen. Der Saisonstart war gelungen. Nun kam Trier an diesem Dienstagabend nach Kassel – und brachte die Kameras von Sport 1 mit. Ganz, naja zumindest halb Fußballdeutschland wurde Zeuge, wie Shipi seinem Gegenspieler Benedikt Koep ordentlich in die Weichteile griff – Klingelingeling – und kräftig zudrückte. Autsch. Der Schiri sah es zunächst nicht, doch die Videoüberwachung im Auestadion ließ keinen Zweifel: Shipi wurde nachträglich für zehn Spiele gesperrt und damit war der Höhenflug des KSV beendet. Keiner der anderen Stürmer war zu der Zeit in der Lage, Shipi adäquat zu ersetzen. Im ersten Spiel nach seiner Sperre netzte Shipi erneut – um sich dann gleich zu verletzen. Shipis Zeit beim KSV war geprägt von sämtlichen Höhen und Tiefen die man so erleben kann. Nun kommt er am kommenden Samstag zurück ins Auestadion – mit seinem neuen Verein, dem TSV Steinbach. Leider ist Shipi derzeit verletzt und wird nicht auflaufen können. Blog36 hat sich trotzdem nicht lumpen lassen und ihn vor dem kleinen Hessenderby 3,6 mal befragt.

 

Blog36: Moin Shipi! Schön, dass du dir die Zeit für Blog36 so kurz vor dem Spiel mit deinem neuen Verein im Kasseler Auestadion nimmst. Seit einem guten Jahr bist du nicht mehr in Diensten des KSV Hessen Kassel. Du hast in deiner Zeit bei den Löwen viele Höhen und Tiefen erlebt. Wie fällt dein Fazit über deine Zeit hier in Kassel aus?

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Shipi im Testspiel gegen den 1. FC Köln; Foto: Rösch

Shipi: Auf jeden Fall sehr positiv. Sportlich hatten wir eine super Truppe mit tollen Persönlichkeiten beisammen. Klar, im Fußball kannst du nicht jedes Spiel gewinnen, aber die Einstellung hat immer gestimmt. Das Highlight war sicher der Gewinn des Hessenpokals. In der darauffolgenden Saison haben wir zu Beginn ja auch ganz gut für Furore gesorgt, waren aber leider hinten raus etwas zu unkonstant mit unseren Leistungen. Für mich persönlich war natürlich das Spiel gegen Trier der absolute Tiefpunkt. Es lief ja so gut für den Verein und dann passiert mir so eine Scheiße. Allerdings kann man Erfolg im Fußball nicht an einem einzigen Spieler festmachen. Ich rechne es den Verantwortlichen im Verein und auch den Fans hoch an, dass sie die ganze Zeit hinter mir gestanden haben. In guter Erinnerung sind mir auch die vielen Menschen geblieben, die beim KSV arbeiten, sei es die Leute auf der Geschäftsstelle, der Platzwart oder der Zeugwart. Jeder von denen lebt für den Verein, das ist toll. Auch in der Stadt haben meine Frau und ich uns sehr wohl gefühlt. Die Stadt hat einiges zu bieten, so dass man sich immer gut draußen aufhalten konnte. Negativ war einzig und allein, dass die Entfernung zu meinem zu Hause so weit war. Das war schon gewaltig, aber was soll ich sagen? Das ist jetzt in Steinbach auch nicht viel anders. (lacht)

Blog36: Du bist vom KSV vor einem Jahr zunächst zu den Stuttgarter Kickers gewechselt, die gerade aus der 3. Liga abgestiegen waren und neben dir auch ein paar andere gute Fußballer verpflichtet hatten. Doch statt direktem Wiederaufstieg wurde am Ende geradeso der Abstieg vermieden. Auch für dich lief es ja nicht wirklich rund. Woran hat das alles gelegen?

Shipi: Als ich nach Stuttgart kam, standen uns zu dieser Zeit nur wenige gestandene und erfahrene Spieler zur Verfügung. Es blieb nach dem Abstieg aus der 3. Liga bei den Kickers gerademal ein einziger Spieler im Kader, es wurden ungefähr 22 neue Spieler verpflichtet. Der Kader musste mit Spielern aus der U23 und noch jüngeren Spielern  komplettiert werden. Wir waren nicht eingespielt, das war für uns eine schwierige Situation. Tja, und wenn du dann einmal hinten drin stehst, ist es schwer da wieder rauszukommen. Aber wir haben es ja am Ende trotzdem gepackt. Ich bin im Nachhinein nicht unzufrieden mit der erbrachten Mannschaftsleistung. Jeder hat sein Bestes gegeben.

Blog36: Nun bist du deinem alten Trainer Matze Mink zum TSV Steinbach gefolgt. Wie der Kontakt zu Stande kam, kann sich ja jeder denken. Was waren die Gründe für Steinbach und wie geht’s dir dort?

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#geilabjubeln mit Steffen Friedrich; Foto: Rösch

Shipi: Für mich war es in meiner sportlichen Laufbahn immer wichtig, mich fußballerisch und auch persönlich weiterzuentwickeln. Deswegen bin ich zum TSV gewechselt. Hier hab ich einen Trainer und einen Verein, der mir beste sportliche Voraussetzungen bietet und auch menschlich fühle ich mich hier bestens aufgehoben. Die Mannschaft ist eingespielt, Steinbach hat bereits letztes Jahr gezeigt, dass viel Qualität vorhanden ist. Ich bin sehr glücklich hier zu sein und freue mich auf eine hoffentlich erfolgreiche Zukunft. Es ist auch echt schön dort in der Gegend. Klar ist alles eher etwas dörflich, aber das ist eigentlich auch gar nicht schlecht. Haiger ist in der Nähe, in Siegen ist man in 20 Minuten. Auch nach Frankfurt und Kassel ist es nicht weit. In Kassel hab ich immer noch viele Freunde.

Blog36: Am Samstag steht das Hessenderby an, wenn du mit Steinbach nach Kassel kommst. Wie beurteilst du die aktuelle Situation beim KSV?

Shipi: Dazu kann ich leider nicht viel sagen. Dafür bin ich zu weit weg. Der Zusammenhalt der Mannschaft finde ich bemerkenswert beim KSV. Da hat niemand den Verein verlassen – trotz dieser unsicheren Situation. Wundert mich aber ehrlich gesagt nicht. Es sind ja viele noch hier, mit denen ich zusammengespielt habe. Das sind alles super Typen. Sie haben in einer schwierigen Situation Charakter gezeigt. Und sie haben einen Trainer, der ihnen das alles vorlebt. Ich freue mich auf das Wiedersehen und darauf, alte Bekannte wieder zu treffen. Es hat immer riesigen Spaß gemacht im Auestadion zu spielen. Ich erinnere mich an soviele schöne Momente im Auestadion: der Siegtreffer in der Nachspielzeit gegen Elversberg, da war ich gerade drei Tage im Verein. Oder die beiden Kisten gegen Offenbach direkt nach meiner Einwechselung. Oder der Gewinn des Hessenpokals. Das war eine sehr schöne Zeit. Ich bin den Fans des KSV sehr dankbar und finde es toll, dass sie mir nach meiner Sperre damals den Rücken gestärkt und mich weiter unterstützt haben. Dem KSV wünsche ich natürlich eine erfolgreiche Saison und auf jeden Fall den Klassenerhalt.

Blog36: Danke Shipi! Wir freuen uns, dich am Samstag im Auestadion zu sehen und wünschen dir persönlich erstmal gute Besserung!

 

 

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