3,6 Fragen an Jan-Erik Leinhos: „Ich sage sehr ungern „Soccer“, aber damit es keine Verwirrung gibt, sag ich halt Soccer.“

Die Weihnachtszeit, die Weihnachtszeit… aus Nah und Fern kehrt man zurück in die alte Heimat, Besinnlichkeit, Fettsucht, Familienstreit – ihr kennt das. Blog36 will sich anlässlich des Heiligen Festes mit einem ganz speziellen Weihnachts-Rückkehrer befassen: Jan-Erik Leinhos. Seit vergangenem Sommer spielt der ehemalige KSV-Youngster in der USA. Was bietet sich da besser an, als Euch mit einer neuen Ausgabe von „3,6 Fragen an…“ zu versorgen? Wir wünschen eine besinnliche Lektüre!

Würdiger Rahmen: Jan-Erik Leinhos‘ (ganz rechts) letzter Einsatz für die Löwen war beim Hessenliga-Auftakt in Lohfelden. Foto: Hedler/Fullewasser

Blog36: Hallo Jan-Erik, knappe vier Monate läuft nun dein Auslandsabenteuer in den USA schon. Gibt schlechtere Pläne mit 21, findet Blog36. Du besuchst die Marshall University in Huntington, West Virginia. Laut Wikipedia leben im Großraum 360.000 Menschen, jeder Vierte soll drogenabhängig sein. Erzähl mal, wie du dich eingelebt hast und wo du untergekommen bist. In welchem Studienfach bist du eingeschrieben, wo gibt’s die besten Burger und wie sieht dein privates Leben dort aus?

Neues Trikot, gleiche Nummer: Die 30 hat Jan-Erik Leinhos mitgenommen. Foto: Privat

Jan-Erik: Mittlerweile würde ich sagen, dass ich mich gut eingelebt habe. Ich wohne in einer WG mit drei Teamkollegen, ungefähr 5 Minuten vom Campus entfernt, wenn man läuft. Ich hatte ja nur einen Koffer dabei, also musste ich mir erstmal ein paar Dinge kaufen, die man so zum Leben braucht. Also die ersten Wochen waren sehr stressig, zum Glück hat das Studium dann erst Mitte August angefangen und nicht direkt nach der Landung quasi. Huntington hat ca. 50.000 Einwohner, also eher ne Kleinstadt und ja leider haben wir viele Drogenabhängige. Es gibt ein paar Ecken wo man besser nicht hingehen sollte aber die Innenstadt und das Unigelände ist frei von jeglichen Drogen.
Ich studiere Sport-Management, weil falls es nichts wird mit der Profikarriere, kann ich zumindest im Sportbusiness irgendwas machen, was auch immer das sein mag. Die besten Burger gibt’s bei „Fat Patties“, das ist eine Sportsbar neben dem Football Stadium. Ein Burger reicht für den kompletten Tag.
Während der Saison ist der Alltag schon stressig wegen Training am Morgen, Uni am Nachmittag und Lernen am Abend. Außerdem haben wir jeden dritten Tag ein Spiel und viele auswärts, also muss man dann im Hotel lernen und nacharbeiten, ist aber machbar bis jetzt. Wenn ich Freizeit habe dann mach ich meistens was mit Freunden.

18 Mal stand Jan-Erik Leinhos für die erste Löwenmannschaft auf dem Platz. Foto: Hedler/Fullewasser

Hauptgrund in die USA zu gehen war ja für dich ein Sportstipendium wahrzunehmen. Wie bist da dran gekommen? Auf Instagram sieht man dich ziemlich oft auf Flughäfen abhängen, spielt ihr also landesweit? Wie sehr musstest du dich an dieses „Soccer“ gewöhnen? Kennen die da überhaupt ne ordentliche Blutgrätsche, wie ist das Niveau deiner Liga (welche überhaupt?) und bist du schon „the German Wonderkick“? 

Es gibt Agenturen die Sportler in die USA vermitteln, zum Beispiel hat meine Agentur ein Sichtungsturnier veranstaltet, wo Trainer aus den USA von verschiedenen Colleges kamen, um sich Spieler anzuschauen. So ist auch der Kontakt zu meiner Universität zu Stande gekommen. Die Initiative ins Ausland zu gehen, um dort zu studieren und Fußball zu spielen, kam also von mir, weil ich mich ja da angemeldet habe.
Wir reisen sehr viel und zu ein paar Spielen müssen wir fliegen weil die Distanz zu groß ist. Wir hatten zum Beispiel ein Spiel in New Mexico was ca. 1500 Meilen (etwa 2400 Kilometer, Anm.) entfernt ist und nach dem Spiel sind wir zum nächsten Spiel nach South Carolina geflogen und von da aus nach Hause. Ich sage sehr ungern „Soccer“, aber damit es keine Verwirrung gibt, sag ich halt Soccer.
Der College-Fußball ist auf jeden Fall athletischer, sprich alle sind echt fit und können 90 Minuten rennen. Ich spiele in der ersten College-Liga „NCAA Division 1“ (Anm.: Conference USA). Zum Niveau kann ich sagen, es ist gut aber europäischer Fußball ist was Taktik und Spielverständnis angeht besser. Wie gesagt bei uns ist es athletischer, aber bockt auch. Man muss auch berücksichtigen, dass alle in meinem Team zwischen 18 und 22 sind. Also ich vergleiche das Niveau immer mit einer U21-Hessenliga-Mannschaft.  Das trifft es glaube ich ganz gut.

Voller Einsatz: Beim Hessenliga-Auftakt stand Jan-Erik Leinhos 90 Minuten auf dem Feld. Foto: Hedler/Fullewasser

Seit deinem Start in den USA bist du jetzt zum ersten Mal wieder in der Heimat. Hand aufs Herz, wie groß war das Heimweh? Hast du schon Besuch aus der Heimat bekommen? Was war das erste, was du back in good ol‘ Germany gemacht hast? Und wie wirst du als Deutscher in den USA wahrgenommen?

Das Heimweh kam in der letzen Woche vor Abflug, weil die Saison vorbei war und die letzten Klausuren hatte ich auch schon geschrieben. Also hatte ich viel Freizeit und dann wurde die Freude auf zu Hause auch immer größer. Im Oktober kam meine Familie für 2 Wochen zu Besuch, was echt cool war, die wollten halt auch mal wissen, wie ich da lebe und wie der Fußball ist.
Das Erste, was ich gemacht habe oder eher gegessen habe, war nen Stück Ahle Worscht mit Roggenbrot beim Frühstück, weil ich halt morgens gelandet bin. Das war wirklich das Erste was ich gemacht habe, als ich zu Hause angekommen bin. Was ich erlebt habe ist, dass Amerikaner uns Deutsche für sehr zuverlässig halten. Wir seien pünktlich und machen Dinge wie sie halt gemacht werden müssten. Ich denke ich wurde positiv wahrgenommen, hoffe ich zumindest.

Foto: Hedler/Fullewasser

Fußball in den USA hat sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Zur Marshall University gehört das Joan C. Edwards Stadium, mit etwa 36.000 Plätzen – das ist aber den Footballern vorbehalten oder? Wo spielt ihr und wie groß ist das Interesse daran? Zuletzt hat ja ein junger Deutscher mit Atlanta die MLS-Meisterschaft gewonnen.
Träumst du ein bisschen von so einer Karriere, abseits des großen europäischen Fußballzirkus‘?

Leider spielen wir nicht im Football Stadium, das wäre auch nie voll – leider. Wir haben eine Tribüne für ca. 1000 Zuschauer, die aber auch leider nie voll ist. An meiner Uni sind Football und Basketball die beliebtesten Sportarten, danach kommt Fußball. Wir sind dabei das zu ändern allerdings. Auf jeden Fall ist das mein Ziel so eine Karriere zu erreichen, deswegen bin ich ja auch rüber gegangen. Falls es nichts wird dann habe ich einen US-Hochschulabschluss was auch nicht schlecht ist glaube ich.

Lieber Jan-Erik, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und viel Erfolg in den USA! Das Auestadion steht dir immer offen!

Heimspiel in Huntington: Gespielt wird auf dem „Hoops Family Field“, welches zur Marshall University gehört. Foto: Privat

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