Todesfelde, Uruguay und der KSV – die alternative Meisterschaft der Regionalliga Südwest

Der SV Todesfelde tritt am Wochenende gegen den VfL Osnabrück im DFB Pokal an. Was dies mit dem legendären KSV Hessen Kassel, der Meisterschaft in der Regionalliga Südwest, Uruguays „La Celeste“, 105 unterklassigen Mannschaften und Carsten Nulle zu tun hat. Blog36 hat hierzu eine Kleinigkeit vorbereitet.

Was gibt es schöneres als sich auf fremder Leute Partys reinzuwanzen, bis zuletzt bleiben und noch ein Wegebier (Fußpils) für die Heimreise mitzunehmen? Dieses Phänomen kommt der Alternativen Meisterschaft der Regionalliga Südwest ziemlich nah. Dazu ein kurzer Exkurs:

Die Altherrenriege des DFB hatte sich ja auf den Weg gemacht, die Regionalligen zur Saison 2012/2013 breiter aufzustellen, um mehr viertklassige Mannschaften bundesweit bewundern zu dürfen. Viele Unterklassenfans waren dankbar für die grandiose Mischung gefallener Traditionsmannschaften, aufstrebender Dorfklubs und Selbstverwirklichungsprojekten süddeutscher Unternehmern. Uns war klar, was kommen würde. KSV wurde nicht aufsteigender Meister und qualifizierte sich somit für weitere Jahre Regionalliga. Mit der Übergabe des Meisterschaftpokals an Carsten Nulle, den Kapitän des KSV Hessen Kassel, begann jedoch die neue Zeitrechnung außerhalb herkömmlicher Liga-Meisterschaftsstrukturen und die Party begann – dank Uruguay.

Carsten Nulle mit Meisterschaftstrophäe (Foto: Eick Rösch)

Was hat die Nationalmannschaft Uruguays und der KSV Hessen Kassel gemeinsam? Nicht viel mag man denken, außer vielleicht aktuell einen bissigen Angriff, eine geile Mannschaft und besondere Trainer. Blickt man ein wenig in die Geschichte, kann man noch eine bedeutende Besonderheit finden. Die Uruguayer haben nicht nur die erste Weltmeisterschaft ever gewonnen (1930) sondern sind auch mit ihrem damaligen Mannschaftskapitän José Nasazzi Yarza (*24. Mai 1901; † 17. Juni 1968) Namensgeber der imaginären Sport-Trophäe, den Nasazzi-Stab.

José Nasazzi Yarza (Unknown author)

Der KSV Hessen Kassel hat ebenso denkwürdiges geschaffen. Sie sind nicht nur erster Meister der in 2012/2013 neu gegründeten fünfgleisigen, viertklassigen Regionalliga Südwest und damit Namensgeber der damit verbundenen imaginären Trophäe. Der Blog36 präsentiert hiermit, die alternative Meisterschaftstrophäe der Regionalliga Südwest, den „Nulle-Stab“ – Ø

Nulle-Stab

Der Nulle-Stab bezeichnet eine imaginäre Fußball-Trophäe. Der Träger des Nulle-Stabs ergibt sich aus Pflichtspielen der jeweils beteiligten Fußballmannschaften, Titelverteidiger und Herausforderer. Gewertet werden Ligaspiele in welcher der jeweilige Titelträger seine Spiele austrägt sowohl in Pokalspielen ab der Landes- oder Verbandspokalebene aufwärts. Ähnlich des Boxsports üblich gilt die Regel, dass der amtierende Nulle-Stab Träger den Titel in jedem Pflichtspiel verteidigen muss. Der Nulle-Stab wird im Falle einer Niederlage innerhalb der regulären Spielzeit an den Sieger weitergereicht. Der Stab ist nach Carsten Nulle (*25.07.1975 in Langen) benannt, dem Spielführer der ersten Regionalliga Südwest-Meistermannschaft 2012/2013 des KSV Hessen Kassel.

Regeln

  1. Erster Titelträger ist der erste Gewinner der fünfgleisigen Regionalliga Südwest, also KSV Hessen Kassel 2012/2013.
  2. Bei einer Niederlage in der regulären Spielzeit eines Pflichtspiels beider Vereine, wird der Stab an den Sieger weitergegeben.
  3. Endet ein Titelspiel unentschieden oder wird der Sieger erst in der Verlängerung, im Elfmeterschießen, Fairplaywertung, annulliert oder durch Münzwurf gefunden, bleibt der Stab beim Titelverteidiger. Dies kann z.B. in Pokalspielen der Fall sein.

Darstellung: Der Nulle-Stab wird als eine Null 0 mit einem Stab / dargestellt: Ø

v. l.: Marco Dawid, Stefan Müller, Carsten Nulle, Viktor Riske, Enrico Gaede, Basti Schmeer, Bobo Mayer, Gabriel Gallus, Tobias Becker (Foto: Eick Rösch)

Geschichtlicher Abriss

Erster Nulle-Stab Träger ist der KSV Hessen Kassel. Im letzten Saisonspiel der Regionalliga Südwest 2012/2013 am 25.05.2013 in Idar-Oberstein, wurde der Nulle-Stab mit der Übergabe des Meisterpokals an Carsten Nulle, Kapitän des KSV Hessen Kassel, begründet. In der darauffolgenden Aufstiegsrelegation zur 3. Liga gegen Holstein Kiel wurde der Nulle-Stab auch gleich wieder an den nächsten Titelträger verloren und die Reise von Verteidigungsspielen begann.

Die KSV Holstein Kiel verteidigte den Titel im Relegationsrückspiel als erste Mannschaft überhaupt und trug den Stab in die 3. Liga. Holstein Kiel verteidigte den Stab ganze neun mal, bevor er über Dose Leipzig, SV Elversberg und FC Rot-Weiß Erfurt an die 2. Mannschaft des VfB Stuttgart gelangte. Nach mehrmaligen hin und her landete der Nulle-Stab wieder in den Händen der Rasenballer. Diese verloren ihn kurioserweise beim Sachsenpokal-Halbfinale an den FC Oberlausitz Neugersdorf.

Die Oberlausitzer brachten den Stab in die fünftklassige NOFV Süd wo er bis zum Ende der Saison 2014/2015 verblieb, ehe er mit dem Aufstieg der FC Oberlausitz Neugersdorf in die Regionalliga Nordost gebracht wurde. Weder im Thüringenpokal, Berlin- noch im Sachsenpokal gelang es den herausfordernden Mannschaften, den Pokal wieder in untere Ligen zu bringen. Daher verblieb bis über das Ende der Spielzeit 2017/2018 der Nulle-Stab in der Regionalliga Nordost. In der Spielzeit 2017/2018 war Carsten Nulle Torwarttrainer beim BFC Dynamo Berlin und durfte den nach ihn benannten Stab kurz nach Amtsantritt am 27.08.2017 wieder in eigenen Händen halten und 2x verteidigen.

Erst im Finale des Brandenburgpokals konnte der FC Energie Cottbus den Nulle-Stab aus den Händen des SV Babelsberg 03 übernehmen. Die Cottbuser trugen zum Beginn der Spielzeit 2018/2019 den Stab zurück in die 3. Liga. Der Nulle-Stab landete dann bei den Würzburger Kickers, die ihn nach einem verlorenen Bayernpokal-Achtelfinale gegen den 1. FC Schweinfurt 05 nur behalten durften, weil das Spiel Aufgrund des Verstoßes der Schweinfurter gegen die U23 Regel, für Würzburg gewertet wurde. Im Laufe der Saison hat es Drochtersen-Assel fertiggebracht, den VfL Osnabrück im Niedersachsenpokal zu schlagen und den Nulle-Stab in die Regionalliga Nord zu bringen.

Auch die Saison 2019/2020 startete die begehrte Trophäe in der RL Nord. Der VfB Lübeck trug inzwischen den Nulle-Stab von Spiel zu Spiel und zeigte ihn auch erstmalig im Rahmen eines DFB Pokal-Spiels. Gegner war die 1. Mannschaft von Sankt Pauli. Schlecht vorbereitet auf Unterklassentraditionen verdaddelten es die Paulianer und gewannen erst im Elfmeterschießen. Das hieß weiter im DFB Pokal, aber raus im Nulle-Stab. Der verblieb erstmal bei den Lübeckern. Ebenfalls im Pokal, diesmal Holsteinpokal, schlug der jetzige Nulle-Stab Träger SV Todesfelde den zwischenzeitlichen Titelträger SC Weiche Flensburg und holte den inzwischen legendären Nulle-Stab an den Joda-Sportpark.

Da isser nun und muss sich den Angriffen des Oberklassen-Fußballs stellen. Recht so. Wir wünschen dem SV Todesfelde eine Erfolgreiche Verteidigung des Nulle-Stabs, auf dass er weiterhin seine Runden im Unterklassenfußball dreht. Andererseits hat ein Nulle-Stab kein Klassenbewusstsein und fühlt sich in allen Ligen, Städten, Ländern und Kontinenten wohl.

Carsten Nulle mit Flugeinlage (Foto: Eick Rösch)

Alternativer Meister der Regionalliga Südwest kann also jede Mannschaft im Pflichtspielbetrieb des organisierten Fußballs werden. Es gilt fortan jedwede Anstrengung zu unternehmen in diejenige Liga zu gelangen, in welcher der aktuelle Nulle-Stab Träger spielt. Andere Meisterschaften sind planbar, der Nulle-Stab setzt unausweichlich neue Maßstäbe in zukünftigen Auf- und Abstiegen als auch Spieler- und Trainertransfers. Das System des Profifußballs wird auf den Prüfstand gestellt und steht in Zeiten der Turbokapitalisierung vor einem Wendepunkt. Blog36 bleibt dran.

Insgesamt gab es bisher 105 teilnehmende Mannschaften und 42 Titelträger. Am kürzesten hatte der KSV Hessen Kassel den Nulle-Stab für insgesamt vier Tage, der SV Todesfelde am Längsten und egal wie das Spiel am Samstag ausgeht, für dann 317 Tage. Die meisten Verteidigungsspiele konnte der FC Energie Cottbus (Rekordmeister) erfolgreich bestreiten. Neben dem KSV gab es weitere 10 Mannschaften, die sich mit Nulle-Stab-Titelwürden jeweils nur einen Spieltag schmücken konnten.

Hier die jeweiligen Titelträger und Verteidigungsspiele (pdf)


Zurecht gerückte Zitate zum Nulle-Stab:

„Mailand oder Markranstädt, Hauptsache Nulle-Stab“

Andi Möller, Schwalbenzüchter

„Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass ich im nächsten Jahr den Nulle-Stab in Händen halten werde. Stand jetzt!“

Nico Kovac, Frankfurter Original

„Das sind Gefühle, wo man schwer beschreiben kann“

Jay Goppingen, USA, Bäckerssohn (träumt vom Gewinn des Nulle-Stabs)

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