3,6 Gründe warum die Löwen Platz zwei noch erbeuten

Samstag, 15 Uhr. Der KSV Hessen Kassel tritt zum letzten Spiel dieser Hessenliga-Saison an. Auf dem engen Platz der Buchonia aus Flieden geht es um alles. Mal wieder. Die Löwen müssen gewinnen und dabei noch auf eine Niederlage des FC Bayern Alzenau hoffen, um den Traum der sofortigen Regionalliga-Rückkehr am Leben zu halten. Die Stimmung im Umfeld reicht von vorsichtig-optimistisch bis hin zur Selbstaufgabe. Doch es hilft nichts, den Kopf ins Weckewerk zu stecken.
Jetzt oder nie – alle zusammen für Kassel. Es gibt (mindestens) 3,6 gute Gründe, warum die Löwen am Samstag feiern können.

Weil wir es verdient haben!

In Der Höhle des Löwen bekam Alzenau eine 2:0 Niederlage Foto: fullewasser.net

Zugegeben: Das würde wohl jeder dahergelaufene fünftklassige Fußball-Blog von seinem Verein behaupten. Der Unterschied bei uns? Wir haben recht. Denn unsere Équipe hat sich in dieser Saison von nichts unterkriegen lassen – weder vom sportlich ungerechtfertigten Abstieg in der letzten Spielzeit, noch vom gnadenlosen Punktabzug durch den HFV. Und erst recht nicht von vereinzelten Zweiflern und Nörglern im Umfeld, die selbst nach 15 ungeschlagenen Spielen in Serie noch das Haar im Schmanddibben suchen.

Festung Auestadion, Bild: privat

Das Auestadion war in diesem Jahr eine Festung: Keines der 16 Heimspiele ging verloren, von möglichen 48 Punkten wurden 40 geholt. In der Auswärtstabelle sind wir ebenfalls auf Relegationskurs. Cralles Jungs haben die Hessenliga angenommen, mangelnden Einsatz kann man ihnen nun wahrlich nicht vorwerfen. Viele der jungen Spieler haben im Verlauf der Saison eine hervorragende Entwicklung genommen: Jan-Philipp Häuser hat sich in die Abwehrformation reingebissen und überzeugt durch kompromissloses Zweikampfverhalten, Nacho ist aus der ersten Elf überhaupt nicht mehr wegzudenken und Jon Mogge ist mehr als nur eine Ergänzung in der Offensive, gibt keinen Ball verloren und darf sich seit Dienstagabend sogar Pokalheld nennen. 

Auch wenn in der Offensive nicht jeder Schuss ein Treffer ist und man den Jungs gerne mal konsequentere Abschlüsse vor der Kiste wünscht, besitzen unsere Stürmer doch eine Menge Qualität: Basti Schmeer ist im Dress der Löwen der erste 20-Tore-Stürmer seit Thorsten Bauerfußballgott, Mahir Sagliks individuelle Klasse ist unbestritten und über Jon Mogge wurde bereits alles gesagt. Fürchten sollte Flieden auch unseren Co-Trainer. Zusammen mit Saglik könnte Samstag gar der 38-Tore-Sturm des Wuppertaler SV aus Drittliga-Zeiten auf dem Platz stehen. Dass die beiden es noch können, hat auch das Pokalspiel unter der Woche gezeigt: kaum standen die beiden auf dem Platz, klingelte es im Lohfeldener Gehäuse.

Die Löwen konnten sich zu recht oft feiern lassen Foto: fullewasser.net

Zu nennen wären natürlich noch weitaus mehr, die erfahrene Achse um Hardy, Inge, Freddy Brill und Adrian Bravo Sanchez (oder vielleicht doch Antonio? Ach egal) zum Beispiel. Enttäuscht hat in dieser Saison keiner. Und deswegen haben wir es verdient, verdammt nochmal! Sportlich stünden wir schon auf Platz 2 in der Tabelle, rechnet man die fünf abgezogenen Punkte mit ein. Nun wirds Zeit für Gerechtigkeit und dafür, dass sich das auch in der Tabelle widerspiegelt. 

Der FC Gießen

Schon gut, schon gut – das muss man erstmal sacken lassen. Aber so ist nun mal die Lage: Am letzten Spieltag dieser Hessenliga-Saison ist der KSV Hessen auf Schützenhilfe angewiesen. Und das auch noch vom Projekt-FC Gießen, ob wir wollen oder nicht. Die Mittelhessen empfangen am Samstag den gar nicht meisterlichen FC Bayern. Klar, die nordhessischen Mährköppe wissen es schon längst: Die Gießener lassen doch nach dem Gewinn der Meisterschaft auslaufen, warum sollen die uns noch helfen? Tja, weil – und das ist der Vorteil eines Projekts – die einfach scheisse professionell sind. Auslaufen? Denkste! Die Ergebnisse, die seit dem Titelgewinn gegen Lowfelden eingefahren wurden, müssen Hessen-Fans zuversichtlich stimmen: 12:0 gegen Türk Gücü, 4:3 (nach 2:3-Rückstand bis zu 70. Minute) gegen die Baunesen aus dem Tal der gelben Früchte. Außerdem, als ob die am Ende der Saison vor heimischer Kulisse nicht nochmal alles raushauen wollen – alles andere wäre doch marketingtechnisch ein GAU.

„Hessen Kassel unbesiegbar“ Foto: fullewasser.net

Außerdem hat’s Daniyel Cimen versprochen. Bei der PK nach dem 0:0 im Auestadion sagte der Gießener Coach wortwörtlich: „Sollte es sportlich am letzten Spieltag noch um etwas gehen, könnt ihr euch drauf verlassen, dass wir zuhause gegen Alzenau alles geben werden.“ Versöhnliche und aus Kasseler Sicht hoffnungsstiftende Worte, nachdem das erste Aufeinandertreffen beider Klubs nicht gerade friedvoll verlief. Ein Ehrenmann? Wir hoffen es.

Freddy Löhe – die Pomade hält. Foto: fullewasser.net

Und dann ist da noch die ewige Pomade, Frederic Löhe, alias der Hessenpokal-Versager, alias der vielleicht geilste Fußball-Proll auf den Plätzen dieser Spielklasse. Löhe, der im Winter die Fresse voll von Mink’scher Verwaltung in Steinbach hatte, hat zumindest einen Teil seines Herzens in Kassel verloren, irgendwo zwischen Gästebus und Block 36. Wäre doch gelacht, wenn der die Alzenauer Angriffe nicht abblitzen lässt wie Jon Snow (ACHTUNG SPOILER) seinen Anspruch auf den Eisernen Thron. Löhe, ohne uns bist du in der Regionalliga auch nur mittelgeil.

Die Fans

Schlafender Riese, Traditionsverein – viel bemühte Begriffe im Fußball. Schaut man sich in der diesjährigen Hessenliga um, gibt es wohl nur einen Verein samt Anhängerschaft auf den diese Beschreibungen zutreffen. Wie auch immer man zu diesen Begriffen steht, was gemeint ist, ist eindeutig: Kein anderer Klub bringt eine so laute und aktive Fanszene mit auf die Dörfer Hessens (und Bayerns).

Fahnen & Megafon auf Dorfplätzen kamen gut an – nächste Saison aber gerne wieder in Stadien. Foto: fullewasser.net

Schon zum Auftakt der Saison wurde klar, was eine Horde KSV-Fans in der Hessenliga bedeutet. Choreo, Pyro, friedlicher Tartanbahn-Sturm in Lohfelden. Zu sagen, „das hat die Liga noch nicht gesehen“, wäre zu viel des Guten. In dieser Saison aber war es schon auffällig, wie oft gastgebende Vereine sich über die Fans aus Kassel gefreut haben – oder auch nicht, wenn sie dachten, sie richten ein Hochrisikospiel aus. Die Kasse klingelt, die Hütte ist voll und die Bierleitung wird mal wieder ordentlich durchgespült. Nun kennt der nächste Gegner Flieden sich aus mit größeren Kulissen – die Osthessen sind auch ziemlich fußballbekloppt, saufen seit dem Sieg gegen Waldgirmes Bullenblut. Doch Fahnen und Lieder gehören auch dort eher zur Ausnahme.

Zudem hat unsere Équipe mehrfach klar gemacht, wie sehr sie von den Fans gepusht wird. Auch auf dem engen Platz in Flieden wird es auf den 12. Mann und die 12. Frau ankommen, getreu dem Motto der jüngsten Block-30-Choreo: Wir für euch, ihr für uns.

„Wir für euch, ihr für uns! Ausreden zählen nicht! Aufgeben geht nicht“ Foto: fullewasser.net

Weil wir es schon Mal geschafft haben.

Donnerstag, 25. Mai 2006, Christi Himmelfahrt. Mehr Informationen muss man einem KSV-Fan nicht geben, um ihn an den größten Sieg der jüngeren KSV-Geschichte zu erinnern.

Der Schuss ins Glück. Thorsten Bauer 25.05.2006. Foto: ksvhessen.de

Am letzten Spieltag der Oberliga Hessen trifft der zweitplatzierte KSV Hessen auf den erstplatzierten FSV Frankfurt, 4000 Kasseler reisen ins ungeliebte Land. Ein Sieg für den KSV würde den Aufstieg in die Regionalliga bedeuten. Kurz nach Wiederanpfiff der zweiten Hälfte trifft Thorsten Bauerfußballgott zum 1:0, der KSV rettet das knappe Ergebnis über die Zeit. Der Rest ist kollektiver Wahnsinn, Freude, Zusammenhalt.

Natürlich ist die Situation nicht eins-zu-eins vergleichbar, aber es finden sich doch Parallelen. Auch damals war der KSV durch eine holprige erste Saisonhälfte gestolpert, bis er eine Serie ohne Niederlagen von 17 Spielen, darunter 14 Siege, hinlegte und sich das Endspiel am Bornheimer Hang erarbeitete.

Mit dem Sieg zog der KSV mit dem FSV punktgleich auf 75 Punkte und stieg nur dank des besseren Torverhältnisses auf. Auch kommenden Samstag würde der KSV mit Alzenau punktgleich ziehen – und wegen des direkten Vergleichs in die Aufstiegsrunde zur Regionalliga springen.

Damals wie heute gab es nach einem Unentschieden am Vorletzten Spieltag das übliche Gemähre („Die wollen doch gar nicht aufsteigen!“) – aber sie wollten. Sie konnten. Und sie stiegen auf.

Und weil es der KSV damals am letzten Spieltag klarmachte. Deswegen macht der KSV das Samstag auch. Basta.

Forza Rot-Weiß, alle nach Flieden!

Olli Zehe fasst die Gefühlslage des 25.05.06 im Löwen.TV zusammen

„Jeder Aufstieg ist eine absolute Geilheit.“
– Oliver Adler, Torwart

Alles für Rot-Weiß! Foto: Fullewasser
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