„Im Derby gelten andere Gesetze!“ – 3,6 Fragen an Niklas Hartmann vor dem Spiel in Baunatal

Am kommenden Samstag steht das nordhessische „El Clásico“ im Baunataler Parkstadion an, wenn der heimische KSV unseren KSV Hessen Kassel empfängt. Da können andere Derbys sowieso mal gleich einpacken. Es ist das erste Aufeinandertreffen in einem Pflichtspiel im Parkstadion seit der Saison 2014/15. Dort kreuzten beide Teams noch in der Regionalliga die Klingen, unsere Löwen gewannen beide Duelle. Nun also Hessenliga. Doch die Brisanz ist nach wie vor vorhanden. Es erwartet uns das Topspiel des Spieltags, schließlich trifft der dritte auf den vierten der Tabelle.

Aber wie bereitet man sich auf so eine Partie vor? Wie behält man einen kühlen Kopf? Blog36 holt sich fachmännischen Rat bei Niklas Hartmann. Unsere Nummer 39 (die eigentlich die Nummer 1 ist, aber die Nummer 1 ist bei uns die Nummer 2) strahlt auf und neben dem Platz eine Ruhe aus, die seinesgleichen sucht. Wir haben Hardy vor dem Spiel in Baunatal 3,6 mal befragt.

Blog36: Moin Hardy, schön, dass du dir die Zeit vor dem wichtigen Derby am Samstag gegen Baunatal nimmst.

Hardy: Für euch immer gern. Ist mir eine Ehre, dass ich auch endlich mal ein paar dumme Kommentare in eurem legendären Blog loswerden darf.

Blog36: Na, das geht ja gut los. Also: Das letzte Pflichtspiel der beiden Teams im Baunataler Parkstadion gewannen unsere Löwen im Herbst 2014 mit 3:1 – Benni Girth erzielte in der zweiten Halbzeit einen lupenreinen Hattrick. Wie schätzt du die Leistung des damaligen Baunataler Keepers ein?

Hardy in Action
Foto: Hedler (fullewasser.net)

Hardy: (lacht) Wenn man bedenkt, dass Benni Girth jetzt mittlerweile in der 2. Bundesliga bombt, muss der Torwart ja bei nur drei Gegentoren ein echter Hexer gewesen sein! Außerdem kann ich mich erinnern, dass ich mit Baunatal in dieser besagten Regionalliga-Saison auch mal vier oder sogar einmal sieben Gegentore bekam. Von daher muss dieser Keeper an dem Tag wirklich einen echten Sahnetag erwischt haben. Aber Spaß beiseite: Ich kann mich noch erinnern, dass wir damals ein wirklich gutes Spiel gemacht haben. Die Kasseler haben wir vor allem in der ersten Halbzeit ziemlich beeindruckt. Die kamen überhaupt nicht mit unserem System und der Spielweise zurecht. Zur Halbzeit stand es sogar noch 1:0 für uns. Atmosphärisch war das Spiel natürlich auch ein Highlight. Ich glaube, es waren damals über 8.000 Zuschauer im Parkstadion. Für mich war das damals, zusammen mit dem Rückspiel im Auestadion, das Highlight der Saison. Dazu war dieses Spiel auch für mich persönlich etwas ziemlich Besonderes. Zum einen, weil ich in der Jugend, vor meinem Wechsel zu Bielefeld noch für den KSV Hessen gespielt habe und zum anderen, weil ich im Sommer ursprünglich wieder zum KSV Hessen zurückkehren wollte, bis der Wechsel dann doch noch platzte. Das war schade, aber die Wege Matthias Minks sind manchmal unergründlich (schmunzelt). Aber dadurch war ich bei dem Spiel natürlich besonders motiviert und wollte es allen zeigen.

Blog36: Am vergangenen Samstag gab es für uns die erste Niederlage in Gießen. Baunatal ist dagegen sehr gut in die Saison gekommen. Beide Teams sind exakt gleichauf. Wie schätzt du die Baunataler ein?

Einlauf
Foto: Hedler (fullewasser.net)

Hardy: Dass die Baunataler oben dabei sind, überrascht mich nicht wirklich. Sie haben Qualität in der Mannschaft und sind so zu großen Teilen schon seit Jahren zusammen. Und das macht sich auf dem Platz bemerkbar. 
Ich kenne die Liga noch nicht gut genug und es sind ja auch noch nicht ganz so viele Spiele gespielt. Von daher kann und will ich das insgesamt noch nicht beurteilen. Wir hatten bislang – bis auf ein Spiel – nur Auswärtsspiele. Alle geben gegen uns immer 150%, weil für sie das Spiel gegen den KSV Hessen das Spiel des Jahres ist. Jetzt haben wir halt einmal gegen einen extrem tief stehenden Gegner in Hünfeld nur unentschieden gespielt und gegen den Meisterschaftskandidaten Gießen 3:1 verloren. Dass die Gießener andere finanzielle Möglichkeiten haben als wir, sollte sich ja mittlerweile auch bis zu Blog36 rumgesprochen haben.

Blog36: Wir können ja lesen!

Hardy: Eben. Wir müssen nach dem Abstieg und dem damit verbundenen Umbruch unsere Art und Weise, Fußball in der Oberliga zu spielen, erstmal finden. Man sollte jetzt nicht zu viel verlangen und gleich alles schlecht reden. Niemand ist davon ausgegangen, dass wir mal eben durch die Liga spazieren. Trotzdem gehe ich davon aus, dass wir am Ende der Saison vor dem KSV Baunatal stehen werden. Das Derby am Wochenende ist kein normales Saisonspiel – dort gelten andere Gesetze. Die Baunataler werden Bullenblut gesoffen haben. Bekanntlich ist das vorrangige Saisonziel der Baunataler, den KSV Hessen zu schlagen. Wenn man Willi Nebe fragen würde, ob er lieber die Champions League gewinnen oder den KSV Hessen in einem Pflichtspiel besiegen möchte, dann würde er sich für letzteres entscheiden. Dementsprechend wird der KSV Baunatal am Samstag auch auftreten.

Blog36: In der Hessenliga ist die Belastung doch insgesamt sicher geringer als in der Regionalliga. Wie macht sich das auf und neben dem Platz bemerkbar? Und wie hat sich nach dem Abstieg euer Alltag als Spieler verändert?

Hardy: Seit dem Abstieg finden in der Regel keine Vormittagseinheiten im Athletikbereich und Fitnessstudio mehr statt. Auch das Nachmittagstraining hat sich etwas nach hinten verschoben. So trainieren wir momentan erst um 15.30 Uhr statt schon um 14.00 Uhr oder 14.30 Uhr. Für mich hat sich vom Trainingspensum allerdings nicht viel verändert. Aufgrund meiner Halbtagsstelle bei der Volkswagen OTLG konnte ich auch die letzten Jahre schon nicht an den Vormittagseinheiten teilnehmen. Ich habe das Trainingsprogramm immer, wenn ich von der Arbeit kam, vor oder nach dem Training, nachgeholt und das mache ich auch weiterhin so.

 Das spielerische Niveau ist in der Regionalliga um ein Vielfaches höher. Ich hätte auch nicht erwartet, dass der Unterschied sooo groß ist. In der Regionalliga können und wollen fast alle Mannschaften Fußball spielen, lassen den Ball laufen, wollen das Spiel schnell machen, pressen im Offensivdrittel auf den Gegner – sowas halt. In der Oberliga stellen sich die meisten Mannschaften gegen uns hinten rein und versuchen dann zu kontern. Bei Freistößen wird das Ding lang vorne rein gehauen und gehofft, dass irgendwas passiert. Trotzdem ist es schwer, gegen solche Mannschaften Chancen zu kreieren. Für mich als Torwart ist es dann auch eine Aufgabe, 90 Minuten konzentriert zu bleiben, falls dann doch mal einer durchrutscht.

Blog36: Mit Allmeroth, Nacho, Inge, Basti, Michi Voss, Brääändy und dir stehen in unserem Kader insgesamt sieben ehemalige Baunataler. Andersrum spielen bei Baunatal sechs ehemalige Löwen – unter anderem der bei Blog36 hochgeschätzte Rolf Sattorov. Man kennt sich also gut. Welche Auswirkungen wird das auf das Spiel haben?

Hardy: Um das nochmal klarzustellen: Ich sehe mich nicht als Baunataler!

Blog36: Ok ok…’tschuldigung. Wir wollten niemanden beleidigen!

(alle lachen)

Hardy: Ich habe ja wie gesagt schon in der Jugend für den KSV Hessen gespielt und wollte ursprünglich auch schon vor meinem Wechsel nach Baunatal zum KSV Hessen zurückkehren. Dort hatte man dann aber andere Pläne. Für mich war das die Zeit nach meinem zweiten Kreuzbandriss. Ich wollte erstmal wieder Spielpraxis sammeln und mir beruflich ein zweites Standbein aufbauen. Deswegen bin ich dann für ein Jahr zum KSV Baunatal. Im Nachhinein betrachtet war das auch nicht die schlechteste Entscheidung meines Lebens. Rolf Sattorov arbeitet mittlerweile auch bei der Volkswagen OTLG. 
Der wollte mich eigentlich schon längst im Büro besuchen kommen – keine Ahnung wo der bleibt. Rolf, wenn du das liest: Lass dich endlich mal bei mir blicken! Kontakt hatte ich in letzter Zeit zu niemandem und Freundschaften müssen bis nach dem Spiel auch erstmal ruhen. Zu Manuel Pforr, Nico Schrader und zu Coach Tobi Nebe hatte ich immer einen super Draht. Wenn wir uns sehen, flachsen wir immer gerne über die gemeinsame Zeit in der Regionalliga und nehmen uns vor, mal wieder was zusammen zu unternehmen. Leider sind wir noch nicht dazu gekommen. Vielleicht sollte ich Tobi am Samstag nochmal darauf ansprechen, was jetzt mit seiner Ankündigung zum Pokerabend-Revival ist. Es gibt noch weitere Anekdoten aus meiner Zeit dort. Ich habe damals in der Zeit  bei Baunatal immer gesagt: wenn ich mal aufhöre mit Fußball, dann kann ich ein ganzes Buch mit den Geschichten füllen – dabei war ich nur ein Jahr dort. Aber die meisten davon bleiben auch besser intern.

Blog36: (grinst) Schade eigentlich.

Hardy: Wir haben zwar sportlich in dem Jahr nicht viele Erfolge gefeiert und die Regionalliga war auch mit Sicherheit eine Klasse zu hoch für den Verein und den damaligen Kader, aber ich durfte einige tolle Menschen kennenlernen und habe die wohl besten Mannschafts- und Pokerabende überhaupt dort erlebt.

Blog36: Na immerhin! Hardy: Herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Jetzt wollen wir dich nicht weiter vom trainieren abhalten. Hau rein und für Samstag und natürlich auch für den Rest der Saison alles Gute!

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