Holt den Pokal für uns!

Wer sich auf Südhessen verlässt, ist meist verlassen. Wer es noch nicht wusste, weiß es spätestens seit Dienstagabend, als eine lustlos vor sich hin amorphelnde B-Elf des SV Wehen Wiesbaden unserem KSV Hessen Kassel ein echtes Endspiel bescherte, indem sie den TSV Steinbach ohne Kraftanstrengung ins Finale einziehen ließ. Doch wer nur auf die Schützenhilfe aus der Landeshauptstadt setzte, macht unsere Équipe kleiner als sie ist. Ob Wehen oder Steinbach ist eigentlich scheißegal: Europa ist das Ziel!

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TSV Steinbach vs. SV Wehen Wiesbaden; Foto: Blog36

Am Dienstag machte sich eine kleine, aber feine Blog36-Delegation auf den Weg in die westhessische Pampa. Soll ja keiner sagen, wir würden kein Intensiv-Scouting unserer kommenden Gegner betreiben. „Gegner“ ist hier im Plural formuliert, denn in der Tat gingen wir davon aus, gegen beide Mannschaften in den nächsten Wochen noch spielen zu müssen – gegen Steinbach am 11. April das Nachholspiel in der Regionalliga und gegen unseren Uralt-Konkurrenten vom SV Wehen im Pokalfinale am 21. Mai, das wir ja bereits erreicht hatten. Bestenfalls, so spekulierten wir, ist der Gewinn des Endspiels gar nicht notwendig um in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals einzuziehen und damit dem Schritt Europapokal ein gutes Stück näher zu kommen (der Schreiber gesteht an dieser Stelle, seit Jahren von Atletico Madrid im Auestadion zu träumen). Gewinnt Wehen das Halbfinale und wird in der 3. Liga mindestens Vierter (aktuell 9 Punkte Vorsprung auf Rang 5), stehen wir automatisch im DFB-Pokal – so die Ausgangslage. Ein weiterer Grund für die Reise lag natürlich in einer weiteren interessanten Personalie im Kader des TSV. Mink? Nein, danke! Bektasi? Ok, vielleicht ein bisschen. Welker? Gar nicht anwesend. Wer dann? Na klar: Keeper Frederic Löhe. Freddy und Blog36 verbindet eine innige Hassliebe, mit der klaren Betonung auf „Liebe“. Er hat die schönsten Haare aller Torhüter weltweit und fliegt trotz drei Kilogramm Pomade auf dem Schädel durch seinen Strafraum wie ein junger Gott. Der Ex-Babelsberger ist großer Blog36-Fan. Das hat er uns einmal verraten und uns mit seinem Geschleime natürlich sofort eingelullt. Da brauchts bei uns ja nicht viel. Also: viele gute Gründe um nach Steinbach zu fahren!

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Mit Wehen im Block! Bitte einen Arzt!; Foto: Blog36

Wir stiegen also Dienstagnachmittag nach Feierabend ins Auto, getrieben von dem Gedanken, als Quasi-DFB-Pokalteilnehmer abends wieder heimzukommen. Diesen Gedanken hatten wir aber offenbar exklusiv, denn der SV Wehen machte in keiner Phase des Spiels Anstalten, das Ding gewinnen zu wollen. Vom Anpfiff an trabten sie Steinbach hinterher, nahmen die Zweikämpfe nicht an und übten auch offensiv keinerlei Druck aus. Um in der 2. Halbzeit Freddy Löhe nahe zu sein und ihm ordentlich einzuschenken, hatte sich Blog36 zu Spielbeginn in den Gästeblock geschummelt. Nun standen wir etwas verloren zwischen ca. 70 südhessischen Schlachtenbummlern und Spätpubertierenden, die sofort Preis gaben, „dass da nur wenige auf dem Platz stehen, die in der Liga einen Stammplatz haben.“ Beispiel gefällig? Im Tor der 22-jährige Lukas Watkowiak, der in dieser Saison exakt Null Mal auf dem Platz stand und im Spiel eindrucksvoll unter Beweis stellte, warum das so ist. Vor ihm „verteidigte“ in der Abwehr der 20 Jahre junge Michael Akoto, der es in dieser Saison immerhin auf satte vier Kurzeinsätze gebracht hatte. Es sei ergänzt, dass Wehen keine U23 mehr besitzt und die beiden, wie einige andere auch, ohne jegliche Spielpraxis in dieses Pokalhalbfinale geschmissen wurden. Und so ist es nur verständlich, dass Watkowiak und Akoto dann zu den Protagonisten des Steinbacher Führungstreffers wurden: einen weiten, aber völlig harmlosen Ball von Freddy Löhe, der eigentlich fürs Nirvana bestimmt war, köpfte Akoto zielsicher aus 20 Metern an dem herauslaufenden Watkowiak vorbei ins eigene Tor. Was für ein Kacktor. Zeigler, übernehmen Sie! Keine zwei Minuten später war Steinbach wieder gedankenschneller als sie einen schnell ausgeführten Freistoß prima verwerteten. Damit war die Messe bereits nach einer halben Stunde gelesen. Zwar erwarteten wir das große Aufbäumen in der 2. Halbzeit – aber es kam einfach nix. Gar nix. Überhaupt war es ein Kackspiel. Shipi Bektasi konnte bereits in Minute 85 seelenruhig Richtung Eckfahne tänzeln und auf Zeit spielen, Tore schießen wollte eh keiner mehr. Kein Vorwurf an Steinbach wegen mangelndem Entertainment, sie haben das souverän runtergespielt.

Man mag sich jetzt auslassen über die Unsportlichkeit des SVWW, nur mit einer B-Elf aufgelaufen zu sein und den Siegeswillen gar nicht erst mitgebracht zu haben. Aber mal im Ernst: beim SV Wehen handelt es sich immer noch um die gleiche seelenlose Ansammlung von Söldnern, die sie bereits damals waren als sie mit uns zusammen in der Regionalliga spielten. Zu den Spielen kommen in ihren Wasserfilter-Wellblech-Palast trotz respektabler sportlicher Leistungen und wahrscheinlichem Zweitligaaufstieg gerade mal 2.500 Leute. Die handelnden Akteuere wie z.B. Christian Hock sind  immer noch die selben wie damals. Was, bitte schön, erwartet man jetzt von denen? Und mehr noch: Wovor hat man eigentlich jetzt Angst? Es steht uns ein packendes Finale vor gegen einen Liga-Konkurrenten, den wir im Hinspiel noch mit 3:0 aus unserem schönen Éstadio del Aue geschossen haben. Im Gegensatz zu Steinbach hatten wir mit dem FC Eddersheim einen Gegner im Halbfinale, der das Spiel auch tatsächlich gewinnen wollte. Wehen wollte dies ganz bestimmt nicht. Selbst Freddy Löhe pöbelte im Spiel in Richtung Wiesbadener Fankurve: „Ihr wollt hier doch gar nicht gewinnen oder warum schickt ihr eure 2. Mannschaft auf den Platz?“ Recht hat die sprechende Pomade! Zur Wahrheit gehört: Das schwerere Halbfinale hatten wir zu bestreiten.

Und wir selbst haben noch viel mehr vorzuweisen: Im Achtelfinale holten wir Eintracht Stadtallendorf im eigenen Stadion von der Euphoriewelle runter, auf der diese bereits die ganze Saison reiten. Es gibt also keinen Grund, jetzt ins Zweifeln zu kommen. Jetzt muss es heißen: Brust raus und sich aufs Finale freuen! Dieses werden wir am 21. Mai mit einem frisch errungenen Klassenerhalt im Rücken bestreiten. Der Austragungsort ist derzeit noch offen. Angeblich soll beim Hessischen Fußballverband Wiesbaden gesetzt sein. Dies wäre wohl an Albernheit nicht zu überbieten. Wir schlagen daher zwei Varianten vor: entweder wir einigen uns auf Stadtallendorf, weil es irgendwie in der Mitte liegt und wir in dem Stadion gute Pokalerfahrungen gemacht haben oder wir machen es wie in Brandenburg: dort wurde der Finalort einfach zwischen den beiden Finalisten aus Cottbus und Babelsberg ausgelost. Kann man mal machen.

Am Ende wird der Austragungsort egal sein, der treue KSV-Anhang wird sicher wieder in Scharen am Pfingstmontag zu diesem Spiel fahren – die knapp 400 Auswärtsfahrer_innen an einem Mittwochabend in Eddersheim lassen diese Vermutung zu. Es wartet ein Pokalfight gegen unseren Ex-Trainer, unter dem wir den Pott 2015 das letzte Mal nach Kassel holen konnten und der auf seine grantelige Art und Weise irgendwie nicht mehr wohlgesonnen auf uns wirkt. Es wartet Freddy Löhes Frisur und es warten zwei Ex-Löwen im Kader des TSV. Es wird ein Krimi und wir sind jetzt schon heiß wie Frittenfett.

Holt den Pokal für uns!

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