Support statt Gemähre! – Der lange Weg zum Klassenerhalt

Es beginnt schon wieder zu Rumoren im Umfeld des Vereins. Die Tatsache, dass die Löwen seit nunmehr fünf Spielen ohne dreifachen Punktgewinn sind, ruft altbekannte Mährer und Dauernörgler auf den Plan. Insbesondere im Fan-Forum der vereinseigenen website und auf social media-Kanälen wird Kritik laut. Einige sehen unsere Équipe schon auf dem direkten Weg in die Hessenliga, andere sprechen ihr die Regionalligaqualität ab. Mal davon abgesehen, dass Unruhe dieser Art wohl selten einen positiven Effekt hervorruft, war das allumfassende Gemähre noch nie so fehl am Platz wie in dieser Saison.

Bodenständige und ehrliche Ergebnisse

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Cralle’s Jungs: mit beiden Beinen fest auf dem Boden; Foto: Fullewasser

Festzustellen ist: es hat sich etwas geändert im Vergleich zu den Vorjahren, in denen man gern mal den Spitzenreiter besiegte um sich wenige Tage später vom Tabellenletzten düpieren zu lassen. Bisher fuhren Cralle’s Jungs souverän Punkte gegen jene Mannschaften ein, mit denen sie sich auf Augenhöhe sehen oder die es gilt hinter sich zu lassen. Da waren zum Teil recht beeindruckende Ergebnisse dabei: ein 4-1 gegen Aufsteiger Schott Mainz oder ein 3-0 gegen den TSV Steinbach. Es gab auswärts sogar einen Dreier bei der in dieser Saison nicht ganz so starken U23 der TSG Hoffenheim und einen überraschenden Heimsieg gegen den Vizemeister aus Mannheim. Dagegen gab es zu erwartende Niederlagen, zum Beispiel das knappe 0-1 in Offenbach. Oder auch deutlicher in Saarbrücken. Oder vielleicht etwas zu deutlich gegen Jenny Elversberg. Der KSV ist nicht mehr der Aufbaugegner für geschundene Teams des Tabellenkellers (was haben wir gelitten, als wir selbst eine 3-1-Führung in doppelter Überzahl gegen die SpVgg. Neckarelz nicht über die Zeit brachten!!!), er ist aber auch nicht mehr für jede Überraschung gegen Top-Teams gut. So bodenständig, ehrlich und verlässlich er spielt, so bodenständig, ehrlich und verlässlich sind auch bisher die Ergebnisse.

 

Erstes Ziel erreicht: Abstiegskampf!

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Cralle: Hoch gepokert, Abstiegskampf gewonnen; Foto: Rösch

Beim Trainingsauftakt Ende Juni, also weit vor der Terminierung der Spieltage, äußerte unser Trainerfuchs Cralle den Wunsch, gegen möglichst viele starke Mannschaften direkt zu Saisonbeginn zu spielen. Man wolle früh sehen, wo man stehe, so Cralle. Sein Wunsch wurde erhört: Mannheim, Offenbach, Saarbrücken, Steinbach, VfB Stuttgart II. Der Wunsch war riskant, das Ding hätte auch nach hinten losgehen können. Wären die ersten Spiele verloren gegangen, wie wäre es dann um die Stimmung bestellt gewesen? Wie hätten sich die Zuschauerzahlen entwickelt? Welches Signal wäre dies im Kampf um die Rettung des ganzen Vereins gewesen? Doch all das ist nicht eingetreten. Und so hat die Mannschaft bereits jetzt etwas gewonnen: nämlich den Abstiegskampf! Man stelle sich vor, der Saisonauftakt wäre missglückt und man stünde jetzt immer noch in den Miesen. Bei dem Auftaktprogramm war das so unwahrscheinlich nicht. Nein, man ist mittendrin im Getümmel und hat nun eine Menge Endspiele bis zum Beginn der Rückrunde vor der Brust. 6-Punkte-Spiele warten: gegen Koblenz, Worms, Frankfurt und Walldorf. Ein spannender Herbst steht uns bevor!

Hinzu kommt das wichtige Spiel im Achtelfinale des Hessenpokals beim derzeitigen Überraschungsteam der Regionalliga Südwest, Eintracht Stadtallendorf. Ein Weiterkommen dort und es wartet mit dem SC Willingen ein Verbandsligist im Viertelfinale. Auch im Halbfinale würden wir in jedem Fall auf einen klassentieferen Gegner treffen, „maximal“ der SC Hessen Dreieich. Würde auch hier ein Weiterkommen gelingen, könnte der Gegner im Endspiel Drittligist Wehen-Wiesbaden sein. Die belegen aktuell Platz 4 in der 3. Liga. Dieser Platz bedeutet die direkte Qualifikation für den DFB-Pokal, soll heißen: auch eine Niederlage im Finale könnte für Cralle’s Jungs den finanziell so wichtigen, weil lukrativen Einzug in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals bedeuten. Sorry, da sind wir gerade mal ins Träumen geraten. Ums mit Cralle zu sagen: Wichtig ist das Einmaleins des Fußballs. Doch wenn das beherrscht wird, ist in dieser Saison eine Menge möglich.

 

Die letzten fünf Partien: besser, als es erstmal aussieht

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Jetzt mal alle bitte recht freundlich: Den letzten Dreier gabs Anfang September gegen Steinbach; Foto: Rösch

Nochmal ein kurzer Blick zurück: Es ist richtig, der letzte Sieg datiert vom 2. September, es folgten vier Unentschieden und eine Niederlage. Bei genauerer Betrachtung relativiert sich aber diese eher durchwachsene Bilanz.

Was ist geschehen? Es gab zunächst ein Unentschieden in Ulm. Für Einige wurden da schon wichtige Punkte liegen gelassen. Die Ulmer waren miserabel in die Saison gestartet. Doch man darf nicht verkennen: der SSV ist kein Abstiegskandidat, vielmehr haben sie in den Spielen nach dem Duell gegen den KSV 11 von möglichen 15 Punkten geholt.

Danach gab es für den KSV eine Heimklatsche gegen Jenny Elversberg: Ok, das war scheiße. Aber Jenny ist immerhin amtierende Meisterin der Regionalliga. Es folgte ein glückliches Unentschieden in Völklingen, wo man in Überzahl in Rückstand geriet, aber spät den Ausgleich schaffte. „Früher“ hätten wir solche Dinger verloren, Beispiele dafür gibt es genug. Jetzt zeigt sich: auch in äußerst schwierigen Situationen lässt sich die Mannschaft nicht hängen, sondern kämpft sich immer wieder zurück. Im Heimspiel gegen Freiburg II gab es dann ein torloses Unentschieden. Der Aufsteiger war zu dem Zeitpunkt Tabellenfünfter und immerhin hielt unsere Abwehr zum ersten Mal die Null. Kein schönes Spiel, als sicherer Absteiger präsentierte sich unsere Équipe aber auch hier nicht.

Zu guter Letzt gab es dann am vergangenen Montag das 3-3 bei den Stuttgarter Kickers. Zur bewiesenen Moral, diesen Rückstand aufzuholen, ist bereits alles gesagt. Zu den schwachen 15 Minuten in der ersten Halbzeit aber auch. Betrachtet man so manchen Kommentar im Netz, muss man sich aber schon fragen, ob diese Personen ein anderes Spiel gesehen hatten. Logisch kann man monieren, dass ja unsere Tore nicht herausgespielt waren, sondern nach Ecken bzw. durch ein Eigentor fielen. Diese Kritik kommt allerdings von denselben Leuten, die sich vor der Zeit von Adrian Bravo Sanchez beim KSV stets beklagten, dass seit Nico Hammann kein ordentlicher Ecken- und Freistoßspezialist mehr das KSV-Trikot trug und die Löwen bei Standards so ungefährlich seien. Wie rum man es auch wendet: nach der Partie bei den Kickers sollte wirklich jedem klar geworden sein, dass mit dem KSV in jeder Phase des Spiels zu rechnen ist. Klar ist: vier von 15 möglichen Punkten sind keine gute Ausbeute. Vor dem Hintergrund der erfolgreichen Phasen, die die Gegner im Moment des Aufeinandertreffens durchliefen und der anderen Voraussetzungen, ist die Bilanz allerdings besser, als sie einem im ersten Moment erscheint. In dieser Liga gibt es nunmal kein Fallobst. Sie ist in der Breite stark und ausgeglichen – nur in der Spitze verhältnismäßig schwach im Vergleich zu den Meistern der anderen Regionalligen. Jedenfalls spricht für diese These, dass schon länger niemand mehr aus unserer Liga aufgestiegen ist.
Saisonziel: Klassenerhalt – nicht weniger, aber auch nicht mehr!

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Nicht mähren, supporten!; Foto: Rösch

Gut möglich, dass nach dem geglückten Saisonstart mit dem ein oder anderen in der treuen Löwen-Anhängerschaft die Gäule durchgegangen sind: zwischenzeitlich stand der KSV ja quasi insolvenzbereinigt auf Platz 4 der Tabelle. Einige dachten wohl, der KSV könne mal schnell den Abstiegsplätzen entschwinden und es sich dann mal einfach so im oberen Tabellenmittelfeld gemütlich machen. Jedem muss klar sein: dieser erkämpfte Abstiegskampf wird bis zum 38. Spieltag gehen. Und es wird kein Spaziergang. Dass Saisonziel heißt Klassenerhalt – und nicht Platz 11, 9 oder 7. Zudem haben einige wohl vergessen, dass unser Kader spielerisch nicht mehr die Qualität hat, wie in den vergangenen Jahren. Das Erfolgsrezept der Mannschaft ist der Zusammenhalt, die Geschlossenheit, die Leidenschaft und eine neu entdeckte Verbindung zu den Fans, die geschlossener auftreten als in den Jahren zuvor und die Mannschaft stützen. Natürlich darf Kritik geäußert werden. Wir sind ja hier nicht bei der CSU. Aber diese neue Verbindung, die im Übrigen auch vom Elversberger Trainer Karsten Neitzel nach dem Spiel gegen den KSV positiv wie neidvoll hervorgehoben wurde, darf nicht zerstört werden. Capitano Freddy Brill bekräftigte dies im Löwen.tv-Interview nach dem Sieg gegen Steinbach und sprach damit für die gesamte Mannschaft.

Daher der Appell: die nächsten Wochen werden immens wichtig. Unsere Aufgabe ist es nicht, den KSV in Frage zu stellen. Das versuchen seit geraumer Zeit schon andere. Unsere Aufgabe ist es, diese junge und hungrige Mannschaft weiterhin so zu unterstützen, wie das in den vergangenen Wochen bereits hervorragend praktiziert wurde. Wer bei den kommenden 6-Punkte-Spielen keine Nerven hat, ist auf dem Spielfeld oder am Spielfeldrand falsch aufgehoben. Wir brauchen Geduld, aber auch geschlossene Reihen, viele Aktivitäten und eine optimistische Grundhaltung. Also: Keep calm and trust in Cralle! Es ist ein langer Weg zum Klassenerhalt.

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Ein Gedanke zu “Support statt Gemähre! – Der lange Weg zum Klassenerhalt”

  1. Mährerbashing funktioniert hier natürlich als Totschlagargument. Wer – außer dem Chefmährer – heftet sich das schon gern an die Jacke? Das Gegenschlagwort Jubelperser (mit Winkelementen?), die in geschlossenen Reihen formiert sind, ist leider in der sache auch nicht zielführend.
    Es muss eine offene Diskussion geführt werden können, warum die bitter nötigen Punkte liegen geblieben sind. Und da fehlt fachlich eine ganz wichtige Feststellung.
    Es krankt am Offensivspiel: Szimayer verhungert vorne oder holt sich die Bälle selbst und niemand läuft als Anspielpartner mit. Alternativ geht Schmeer nicht nach vorne, sondern arbeitet im Halbfeld, wo er die Bälle erkämpft, sichert und dann nach hinten wieder abspielt.
    Beide zusammen funktionieren ebenfalls nicht optimal. Was bleibt ist das Vorrücken der gesamten Mannschaft um viel Druck aufzubauen und sich in die Standards zu quängeln.
    Das ist leider auf Dauer zu kräftezehrend…
    Das kann man so sehen und es ist vollkommen legitim das auch anzusprechen.

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