Ein neues Leben für den KSV!

Der KSV liegt auf dem Krankenbett. Dem Patienten geht es nicht gut. Spätestens seit der Stellungnahme des Vereins vor dem Spiel gegen die TuS aus Koblenz am Ostermontag, ist das jedem klar. Alle Angehörigen – die Gremien, die treuen Sponsoren und wir Fans – machen sich Sorgen um unseren Verein. Eine Debatte um die Zukunft der Löwen ist aufgekommen. Wir begrüßen die Auseinandersetzung, zeigt sie doch, wie vielen der Verein am Herzen liegt. Die Diskussionen drehen sich gegenwärtig vor allem um die Entschuldug des Vereins. Wir gehen einen Schritt weiter.

Für uns steht zwar auch fest, dass nur ein schuldenfreier KSV eine Zukunft haben wird. Viel wichtiger halten wir aber eine Vision eines runderneuerten KSV Hessen. Für uns steht fest: Der Verein wird nur an Kraft gewinnen, wenn der ehrliche Fußball, den aktuell die Cramer-Elf zelebriert auf der Grundlage einer ehrlichen Finanzierung innerhalb einer ehrlichen Vereinskultur stattfindet. Um diesen Weg zu gehen, bedarf es mutiger Schritte. Dabei ist jeder gefragt, der es mit den Löwen hält. Es muss ein Ruck durch den Verein und das Umfeld gehen.

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Das Löwenrudel um Tobi Cramer ist aktuell der Hoffnungsschimmer am Horizont der Südstadt

Das Löwenherz schlägt

Eine gute Nachricht vorweg: Das Herz des KSV schlägt, dank aufopferungsvoll spielender, unbekümmerter und sympathischer Jungs aus der Region, die Woche für Woche #geilabliefern. Die Talsohle der Zuschauerzahlen ist mit dieser Spielzeit ebenfalls durchschritten und das „Mähren“ auf den Rängen hat gegenüber den Vorjahren deutlich abgenommen. Die jüngsten Vertragsverlängerungen von Leistungsträgern der Cramer-Elf wie Freddy Brill, Marco Dawid und Basti Schmeer zeigen: Die Chemie stimmt. Das Team wird in ihrem Kern zusammen bleiben. Es braucht nicht viel Phantasie um sich auszumalen, welche Kräfte das neue sportliche Konzept freisetzen könnte, wenn die Cramer-Elf für einen finanziell sanierten Sportverein auflaufen würde.

Klärung der Schuldfrage bringt uns nicht weiter

Was die finanzielle Situation des Vereins betrifft, ist mittlerweile allseits bekannt: Der KSV hat einen Schuldenberg angehäuft. Das laufende Geschäft wird nicht unwesentlich über Privatdarlehen am Laufen gehalten. Viele werfen aktuell die Schuldfrage für die Misere auf. Dabei werden vor allem die Darlehengeber selber zu den Hauptschuldigen der Misere gekürt. Zwar ist unumstritten, dass sie eine Mitschuld daran haben, dass der Verein finanziell derart krankt. Das macht wütend. Gleichzeitig wären ohne ihr Zutun schon längst die Lichter ausgegangen. Daher gebührt ihnen gleichzeitig Dank. Teil der Wahrheit ist aber auch, dass wir, das Umfeld des KSV, in der Vergangenheit Fehlentscheidungen zugelassen haben. Es kamen nie mehrheitsfähige – auch personelle – Alternativen zu dem eingeschlagenen Weg der letzten Jahre zustande. Wir haben uns alle durch Ideenlosigkeit übertroffen, wie ein anderer KSV Hessen aussehen könnte. Wir halten gerade deshalb eine Debatte um die Schuldfrage für müßig. Sie bringt uns auch heute keinen Schritt weiter. Woran es fehlt, sind Vorschläge, die in eine neue Zukunft weisen.

Schulden müssen dennoch getilgt werden

Unabhängig von der Schuldfrage steht dennoch eins fest, wenn wir im Bild des KSV auf dem Krankenbett bleiben: Die Darlehen halten den Vereinsorganismus künstlich am Leben. Solange sie bestehen, tickt die Uhr unaufhaltsam gegen den Patienten. Warum? Neue Sponsoren und Geldgeber bekommen das Gefühl, dass sie in ein schwarzes Loch investieren – unabhängig davon, ob es tatsächlich so ist. Jeder Sponsor muss damit rechnen, dass sein Geld zur Tilgung von Altlasten verwendet wird. Das strahlt auf potentielle Geldgeber und viele Fans keine Seriosität geschweige denn Begeisterung aus. Beides wäre aber notwendig um nachhaltig zu gesunden. Den potentiellen Geldgebern muss vermittelt werden, dass ihre Investitionen direkt im sportlichen Bereich ankommen.

Entschuldung wäre nur der Anfang

Für den Schritt zur Entschuldung werden derzeit unterschiedliche Wege im Umfeld des KSV diskutiert: Entweder die Darlehengeber bauen sich ein Denkmal und wandeln die Darlehen in Spenden um. Das wäre unendlich generös und ein kaum zu überschätzendes Signal an neue Investoren. Die andere Möglichkeit ist, man zieht vorerst den Stecker und geht den Weg der Planinsolvenz, wie es andere Vereine zuletzt auch getan haben (z.B. Offenbach). Der Verein würde dann jedoch unweigerlich an seine schwärzesten Kapitel der Vereinsgeschichte erinnern. Wir finden, dass es für beide Varianten ein Für und Wider gibt. Um uns dabei klar zu positionieren, fehlen uns allerdings vollständige Informationen über die Gestaltung der Darlehensstruktur. Außerdem sind wir keine Juristen. Wir können die Risiken einer Planinsolvenz kaum abschätzen und beteiligen uns nicht an Diskussionen auf der Grundlage von angelesenem Halbwissen. Vor allem aber finden wir diese Frage auch nicht entscheidend. Wir sind uns zwar einig, dass eine Entschuldung auf die eine oder andere Weise stattfinden muss. Neue Lebenskraft ist dann aber noch nicht automatisch eingeflößt. Auch ein schuldenfreier KSV muss sich runderneuern, will er eine Zukunft haben. Schlaglichtartig wollen wir fünf Schritte beispielhaft darstellen, die greifbar machen, wie ein neuer KSV Hessen zu alten Kräften kommen könnte.

1. Ehrliche Finanzen

Es braucht eine transparente Buchführung, die für jeden Sponsor und jedes Vereinsmitglied nachvollziehbar ist. Der ehrliche Fußball muss auch ehrlich Wirtschaften. Es braucht seriöse Personen, die für eine Buchhaltung dieser Art zuständig sind und die Pate stehen für eine Finanzstruktur mit Anstand.

2. Marketingtour durch Nordhessen

Der KSV müsste seinen Appell an die Region durch Taten untermauern. Man stelle sich folgenden Szenario vor: Die geplante sportliche „Tour de Nordhessen“ in der Saisonvorbereitung auf den Plätzen der Region, wird begleitet von einer deutlich sichtbaren Marketingtour, die Nordhessen noch nicht gesehen hat. Eine Task Force aus dem Marketingteam, dem KSV Beirat und dem Umfeld des Vereins tourt gemeinsam von Betrieb zu Betrieb und Wirtschaftsunternehmen zu Wirtschaftsunternehmen und lädt alle – vom Bäckermeister bis zum DAX-Konzern – ein, Teil der Runderneuerung zu sein. Der Effekt: Der Appell an die Region wird greifbar. Auch wenn nicht scharenweise neue Sponsorenverträge abgeschlossen werden, wird der KSV wieder in der Breite Gesprächsthema innerhalb der lokalen Wirtschaft. Selbstverständlich sollten die Sponsoren, die dem Verein auch aktuell die Treue halten, Teil dieser Tour sein. Ihnen gebührt unendlich viel Dank. Zu dieser Tour gehört es im Vorfeld ein Ziel zu formulieren, das deutlich macht, was die Region an Finanzkraft aufbringen muss, um einen Regionalligaverein solide am Leben zu halten. Auch das gehört zum ehrlichen Wirtschaften. Außerdem können Ziele Ehrgeiz wecken. Ein Beispiel für eine Tour dieser Art, lieferte der 1. FC Kaiserslautern in der Vergangenheit (siehe: hier).

3. Zweckgebundene Spenden nach Crowdfunding-Prinzip

Eine weitere Idee: Durch eine zweckgebundene Unterstützerkampagne könnte eine Eine neue Kultur der Teilhabe des Umfelds an dem Vereinsgeschehen initiiert werden. Nach dem Crowdfunding Prinzip könnte der KSV feste Kostenposten öffentlich machen, z.B.: die Kosten für eine Auswärtsfahrt, neue Trainingsbälle für die A-Jugend, die Monatskosten der 2. Mannschaft, etc. Kleine Sponsoren, private Gönner, Fanclubs oder andere Unterstützerkreise könnten die Patenschaften für Beträge unterschiedlicher Größenordnung übernehmen. Der Effekt: Kleinvieh macht auch Mist. Dem KSV würde konkret geholfen werden. Vor allem aber lässt man das Umfeld des KSV Teil der Runderneuerung werden. Über die ad hoc Unterstützungen im kleinen Stil, könnten außerdem langfristige Partnerschaften entstehen. Ein bundesweit beispielhaftes Projekt des Crowdfundings liefern gerade die Fans des FC Carl Zeiss Jena, die über eine ehrenwerte Kampagne ihre Südkurve erhalten wollen (siehe: hier).

4. Wertschätzung des KSV Umfelds

Die Integration des KSV Umfelds in die Runderneuerung darf allerdings keine Einbahnstraße sein. Teilhabe funktioniert nur zusammen mit Mitbestimmung. Oberstes Gebot muss sein, die Mitgliedschaft in wegweisende Entscheidungen mit einzubeziehen. Sie muss angehört werden, sie muss entscheiden dürfen und sie darf nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Auch darüber hinaus braucht es eine neue Vereinskultur der Wertschätzung gegenüber allen, die dem KSV die Treue halten, vom Gelegenheitszuschauer, über den Dauerkarteninhaber bis hin zum Allesfahrer. Dieses „ABC“ der Wertschätzung muss wieder neu gelernt werden. Dazu gehören etwa attraktive Angebote für die Werbung von Neumitgliedern oder neuen Dauerkarteninhabern, endlich mal wieder eine angemessene Auswahl an Fan-Artiken ohne Fremdschämeffekt oder aber die symbolische Würdigung der Auswärtsfahrer durch kleine Aufmerksamkeiten. Das alles ist kein Zauberwerk. Dennoch ist diese Seite der Vereinsarbeit beim KSV gegenwärtig verkümmert. Ein Paradebeispiel, wie ein Verein die Teilhabe, Mitbestimmung und Wertschätzung von Fans und Mitgliedern sich selber zu Nutzen macht, liefert sicher der FC Union (siehe: hier).

5. Der Vision einen Namen geben

Wir sind der Ansicht, dass es notwendig ist, der Vision eines runderneuerten KSV einen Namen zu geben, der die Werte der KSV Neuausrichtung verkörpert: Regionale Verankerung und Bodenständigkeit! Ein solcher Slogan muss verdeutlichen, was Zuschauer und Sponsoren an Spieltagen geboten bekommen. Statt wie bisher inhaltsleer Spiele anzukündigen, würde deutlich werden, dass es zwar kein Championsleague-Spektakel im Auestadion zu sehen gibt, dafür aber ehrlichen Fußball bei Bier und Bratwurst und das vor der eigenen Haustüre. Wir glauben, dass eine klare inhaltliche Botschaft der Neuausrichtung verloren gegangene Identifikationskraft gegenüber Stadiongängern entfachen kann. Nach außen könnte ein Werbeslogan als Klammer um verschiedene Marketingaktionen – wie einer „Tour de Nordhessen“, einer Dauerkartenaktion oder einer Crowdfunding-Kampagne – dienen. Ein inhaltlich klar formulierter Kurs, könnte aber auch nach innen wirken. Jeder im Verein hätte sich an das Mantra des ehrlichen Vereins zu halten: Vom Platzwart, über den Spieler bis hin zum Finanzvorstand. Eine inhaltliche Haltelinie wäre geboren, die nicht durch Alleingänge einzelner Lichtgestalten verlassen werden dürfte.

Wir würden uns freuen, wenn die Debatte um den Verein sich stärker auf eine Begeisterung stiftende Zukunft konzentriert. Wir hoffen, dazu einen Beitrag gleistet zu haben.

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