Ab in die Offensive statt hilfloser Appelle! Warum mich eine Stellungnahme des Vereins zum Grübeln bringt

Eins vorweg: Am Montag sollten alle, die es mit den Löwen halten ins Auestadion gehen! Bringt Freunde und Familie mit! Packt eure Kollegen ein! Die Gremien des Vereins haben absolut recht, wenn sie vor dem Spiel gegen Koblenz in einer Stellungnahme schreiben: „Das Team um Cheftrainer Tobias Cramer hat eindrucksvoll bewiesen, dass es mit [einem] regionalen Konzept möglich ist, leidenschaftlichen und erfolgreichen Fußball im Auestadion zu spielen und dabei Fans und Zuschauer gleichermaßen zu begeistern.“ Es wäre absolut wünschenswert, wenn dieser ehrliche Fußball von mehr Zuschauern honoriert würde. Ganz zu schweigen davon, dass der eingeschlagene Weg zahlungskräftige Sponsoren verdient!

Im gleichen Atemzug hat mich der Aufruf zum Nachdenken gebracht, weil er ganz, ganz schlechte Erinnerungen weckt…

Konkurs HNA

Erinnerungen werden wach: Am 25. November 1997 berichtet die HNA über den Konkursantrag des FC Hessen. Zuvor blieben Appelle an „die Region“ ungehört.

Ein Mantra kehrt zurück

In dem Aufruf heißt es an einer entscheidenden Stelle sinngemäß: „die Region muss sich zum KSV Hessen bekennen, sonst gehen die Lichter aus.“ Bei KSV Anhängern, die in den 1990er Jahren den Löwen die Treue hielten, reißt diese Zeile Narben auf, die bis heute nicht verheilt sind. In den düsteren Jahren zwischen 1993 und 1997 wurde von den Verantwortlichen des Vereins immer wieder dieses eine Mantra beschworen. Es klang damals am Anfang etwa so: „Die Region muss endlich aufwachen…“, später so „… ohne die Region läuft hier gar nichts“, und am Ende so „…die Region hat versagt“.

Appelle an die Region wecken schlechte Erinnerungen

Sicher waren das damals andere Zeiten. Der „FC Hessen“ als Nachfolger des traditionsreichen KSV, war das Ergebnis eines Zwangsvergleichs vor dem Amtsgericht. Dieser triste Charme eines Gerichtsurteils blieb dem Verein bis zu seinem Ende treu. Der FC Hessen wurde auch unter uns Fans bestenfalls aus der Not heraus geduldet. Begeistert hat er niemanden. Die traurige Episode war vor allem aus finanzieller und konzeptioneller Sicht ein reines Desaster: Lichtgestalten in der Vereinsführung glaubten den Verein im Alleingang retten zu können. Höhepunkt war das dubiose Abkommen mit Arminia Bielefeld. Der Deal offenbarte einen riesigen Schuldenberg. Der Konkurs war unausweichlich. Hatte angesichts dessen aber – wie seinerzeit oft beschworen – die Region versagt? Der Verein hatte sich wohl eher von den Unterstützern in der Region entfremdet. Unseriöses Gehabe in der Vereinsführung tat ihr Übriges. Die Appelle an die Region wurden belächelt oder blieben ungehört.

Auch wenn wir das Konstrukt „FC Hessen“ hinter uns gelassen haben, sollte heute der KSV Aufrufe aus seinem Vokabular streichen, die einseitig an die Region appellieren. Sie wecken schlechte Erinnerungen bei Fans und möglichen Sponsoren, deren Gedächtnis noch 20 Jahre zurück reichen.

Hilferufe strahlen Ohnmacht aus

Abgesehen davon: Derartige Hilferufe strahlen Ohnmacht aus. Darauf haben weder Fußballfans noch Sponsoren Lust. Der Verein wird seinen neuen sportlichen Kurs wohl nur auf eine finanziell nachhaltige Grundlage stellen können, wenn er Menschen und Sponsoren in Nordhessen begeistert. Dazu muss die Vereinsspitze andere Signale senden. Das ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Wir wissen alle, dass das Damoklesschwert des Konkurses auch heute über dem KSV schwebt. Das gilt für jede Traditionsmannschaft in dem Fehlkonstrukt der Regionalliga. Wie will man da Begeisterung stiften?

Von der Cramer-Elf lernen

Die Lösung kann auf dem Feld liegen. Angesichts der Umstände, ist der Saisonverlauf Balsam auf die Seele der Löwen Fans. Coach Cramer hat einen sportlichen Neuanfang umgesetzt, der begeistert: Sympathische Jungs aus der Region spielen ehrlichen Fußball. Die Cramer-Elf lebt einen neuen, mutigen, zukunftsfähigen KSV vor. Aber sind wir ehrlich: Die Vereinsführung (und auch wir im Umfeld!) leben die Neuausrichtung lange nicht in der Unbekümmertheit, wie es die Cramer-Elf tut. Zweifellos wurde zuletzt sehr viel am Image des Vereins gearbeitet. Das jüngste Benefiz-Spiel in Deisel ist dafür ein gutes Beispiel. Auch die geplante „Tour de Nordhessen“ ist eine tolle Idee. Bestimmt wird auch gerade unter sehr schwierigen Bedingungen aufopferungsvoll um Sponsoren gekämpft. Große Sprünge wurden dennoch bislang nicht verkündet und auch das erweiterte Umfeld des KSV kommt derzeit (noch) nicht ins Auestadion.

Hand ausstrecken, statt appellieren

Aber, ist es nicht so, dass nach dem wichtigen Schritt der sportlichen Neuausrichtung, ein zweiter erst noch gemacht werden müsste, damit der Verein von dem neuen Weg stärker profitiert? Muss man den Menschen in Nordhessen nicht freundlich die Hand reichen, anstatt an ihr Gewissen zu appellieren? Abgesehen davon, dass die Region ohnehin nicht in einer automatischen Bringschuld gegenüber einem Fußballverein steht. Will man Nordhessen auf den Tribünen und den Stadionbanden stehen sehen, muss man der Region erstmal kommunizieren und schmackhaft machen, was sie im Auestadion geboten bekommt. Der zweite Schritt nach der sportlichen Neuausrichtung müsste also sein, dass man dem Kind einen Namen gibt. Wäre es nicht an der Zeit einen Slogan zu finden, der die Marketingmaschinerie ankurbelt und Fußballfans vermittelt, was sie im Auestadion bekommen? Wenn die Gremien keine Ideen für eine lebendige Außendarstellung haben, ist das keine Schande. Auch damit kann man offensiv umgehen: Wie wäre es zum Beispiel mit einem Ideenwettbewerb? Warum fragt man nicht Fans, Sponsoren und regionale Fußballvereine nach einem Slogan für die Neuausrichtung und nach Ideen für eine Imagekampagne? Die Umfrage zum Beginn der Saison, hat gezeigt, dass die KSV Familie bereit ist, sich auf diese Weise einzubringen.

Neue Kräfte freisetzen

So ein Schritt auf das Umfeld und die Region zu, bietet darüber hinaus noch ganz andere Potentiale. Indem man dem KSV Umfeld die Hand ausstreckt, anstatt an es zu appelieren, könnte ein Prozess in Gang gesetzt werden, der dem Verein nachhaltig hilft. Wie das geht, haben viele andere Vereine unter Beweis gestellt, allen voran in Form von Retterkampagnen wie sie in St. Pauli, in Dortmund oder in Braunschweig die Vereine in sichere Gefilde gebracht haben. Auch die KSV Neugründung wäre seinerzeit ohne die Kampagne für 1000 Mitglieder undenkbar gewesen. Am Anfang derartiger Prozesse steht nie der ohnmächtige Appell. Es sind immer begeisterungsfähige, offensive Projekte aus dem Verein heraus, die ungeahnte Kräfte freisetzen. So ein Raum für Ideen und konkrete Hilfe aus dem Umfeld, dem Sponsorenpool und der Region heraus fehlt derzeit leider. Potential besäße der „Fußball uff Nochthessisch“ sicherlich zu einer Kampagne heranzuwachsen, die verschiedene Möglichkeiten schafft – für Spieler, für Fans, für Sponsoren – Teil eines gemeinsamen, zukunftsfähigen und Begeisterung stiftenden Projekts zu werden.

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Ein Gedanke zu “Ab in die Offensive statt hilfloser Appelle! Warum mich eine Stellungnahme des Vereins zum Grübeln bringt”

  1. Alles richtig – bis auf eine Einschränkung.
    Der zugkräftige Slogan für das, was den Zuschauer (Sponsor, etc.) im Stadion erwartet, wurde bereits gefunden und er passt meiner Meinung nach wunderbar:
    #geil abliefern !!!!

    Gefällt 1 Person

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