Winterpause! Ein Blick zurück…

Der KSV Hessen Kassel geht mit 33 Punkten als Tabellenachter in die Winterpause der Saison 2016/17 und es steht die Frage im Raum, wer sich vor der Saison darauf zu wetten getraut hätte? Blog36 bilanziert die Geschehnisse in der Regionalliga Südwest.

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Geile Hinrunde: Da kann man sich schon mal freuen! Foto: Hedler

Blog36 zog bereits nach den ersten sieben Spieltagen ein erstes Fazit. Wie gewohnt stellten wir souverän auftretend bei gleichzeitiger völliger Ahnungslosigkeit die These in den Raum, dass am Ende Mannheim, Elversberg und Saarbrücken den Kampf um die Relegationsplätze unter sich ausmachen würden. Alle drei waren optimal in die Saison gestartet. Insbesondere für Waldhof Mannheim war dies jedoch keine Selbstverständlichkeit: Denn Mannheim ist amtierender Meister und in den vergangenen Jahren hatten viele in der Relegation gescheiterte Regionalligameister vorgemacht, wie man in der Folgesaison mal so richtig abkackt – nicht zuletzt auch unser heiß geliebter KSV in der Saison 2012/13. Aber nicht so die Mannheimer, die sich als Tabellenzweiter hinter Elversberg erneut auf dem Weg in die Relegation befinden und auch unseren KSV am 7. Spieltag verdient mit 2-0 besiegten. Respekt!

Neben den ebenfalls letzte Saison in der Relegation gescheiterten Elversbergern ist erwartungsgemäß auch der 1. FC Saarbrücken im Rennen und so wäre die oben erwähnte Blog36-Prognose fast zutreffend – wenn, ja wenn da nicht ein kleiner Dorfverein aus Mittelhessen wäre. Mittlerweile mischt der TSV Steinbach die Liga ordentlich auf.

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Frisur der Liga: Steinbachs Keeper Tim Wiese; Foto: privat

Die einen sagen: „Kein Wunder, bei der ganzen Kohle, die da reingepumpt wird“. Wieder andere entgegnen: „Ja Moment. Trainiert wird die Truppe immerhin von Matthias Mink. Wie kann es sein, dass Steinbach unter ihm so einen erfrischenden Offensivfußball spielt während bei uns 1-0-Führungen  jedes Mal so lange verwaltet wurden, bis wir endlich den Ausgleich fressen mussten?“ Steinbach startete ziemlich bescheiden in die Saison. Doch nach der 0-5-Klatsche bei Jenny Elversberg am 7. Spieltag folgte eine beispiellose Erfolgsserie.  Beeindruckend ist dabei vor allem die Heimbilanz: Wer einmal den steilen Haigerer Berg hinauf zum SIBRE-Sportzentrum raufgekraxelt ist, wurde in aller Regel von diesem postwendend wieder runtergefegt. Vor kurzem musste das auch Drittligist FSV Frankfurt im Hessenpokal-Halbfinale erfahren. Die Bornheimer kassierten fünf Buden. Nix da DFB-Pokal-Teilnahme. Diese Chance hat jetzt erneut Matthias Mink. Zudem Platz 3 in der Liga. Läuft also beim TSV.

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Punktgewinn in Steinbach: Muss man erstmal schaffen!; Foto: privat

Nicht unerwähnt soll vor dem Hintergrund aber der Punktgewinn unserer Löwen bleiben, die sich am 11. Spieltag ein Unentschieden in Steinbach erkämpften. Dennoch ist davon auszugehen, dass Steinbach bis zum Schluss um die Relegationsplätze mitspielen wird. Steigt der TSV auf, gibt die Liga mal wieder einen finanzstarken Dorfverein nach oben ab – wie in den vergangenen Jahren bereits Elversberg, Großaspach, Heidenheim, Sandhausen – und nicht zuletzt ja auch die TSG Hoffenheim. Auf den ersten Blick nicht unbedingt das Schlechteste. Aber in der Liga der weiten Wege kommt dem KSV ein Auswärtsspiel, das am besten ausschließlich über Bundesstraßen durchs schöne Nordhessen zu erreichen ist, eigentlich gerade recht.

Auf den Plätzen sechs und sieben überwintern die starken Aufsteiger aus Ulm und Koblenz. Die Spatzen haben aus Blog36-Sicht beneidenswerte 36 Punkte – was für ein Anblick. Schön. Man könnte weinen vor Glück. Ulmer müsste man sein.

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It’s the circle of love; Foto: Hedler

36 Punkte hätte der auf Platz acht platzierte KSV auch haben können, hätte der zweite mittelhessische Club der Liga, der SC Teutonia 1929 Watzenborn-Steinberg e.V. (was für ein Name) nicht kurz vor Jahresende gekniffen. So sind es 33 Punkte und man reibt sich verwundert die Augen, aufgrund der Leistung des Löwenrudels. Der KSV musste den Ausfall zahlreicher Leistungsträger verkraften, musste insbesondere den Abwehrverbund in jedem Spiel umstellen. Und so wuchsen viele ins kalte Wasser geworfene Spieler mal eben über sich hinaus. In den vergangenen Wochen wurde viel über den neuen Zusammenhalt in Mannschaft und Umfeld in Zeiten finanzieller Nöte gesprochen, die HNA bezeichnete die Löwen kürzlich als „Teamgeistmonster“, was auch immer ein „Teamgeistmonster sein“ soll (Neologismen direkt aus der Hölle). All das ist richtig und man spürt den Zusammenhalt an vielen verschiedenen Stellen ganz konkret. Dennoch müssen auch die individuellen Leistungen der Spieler mal herausgestellt werden. Henrik Giese hat im großen Blog36-Interview vor der Saison auf die Frage nach dem Saisonziel gesagt:

„Tja, Ziele. Bei Zielen hinsichtlich des Tabellenplatzes wäre ich aktuell vorsichtig. Besser ist es, wenn wir uns auf die persönlichen Ziele eines Spielers konzentrieren und diese konsequent verfolgen. Ich habe mir beispielsweise vorgenommen, mich mal wieder in die Torschützenliste einzutragen und hinten den Abwehrverbund zusammenzuhalten. Wenn sich jeder derartige Ziele setzt, dann kommt das Mannschaftsziel von ganz allein.“ (Henrik Giese, 29. Juli 2016)

 

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Henne macht Ansagen; Foto: Hedler

Kluge Worte des Blog36-Idols, die von Vielen in der Mannschaft genauso umgesetzt wurden: Henne selbst nahm nicht nur seine Rolle als Abwehrchef an, sondern glänzt neuerdings auch noch als Traumtorschütze. Die von Mink sträflich vernachlässigten Marco Dawid, Nael Najjer und Rolf Sattorov haben alle eine ordentliche Schippe draufgelegt und sind mittlerweile gestandene Geilablieferanten. Tor-des-Monats-Basti Schmeer und Tobi Damm haben ihren Killer-Instinkt vor dem Kasten wieder gefunden und Niklas Hartmann ist ein sicherer Rückhalt, auf den immer einhundertprozentig Verlass ist. Hinzu kommen überzeugende Neuverpflichtungen: Adrian Bravo Sanchez „made KSV-Standardsituationen great again“, Lucas Albrecht erweist sich vorn wie hinten als sympathische Allzweckwaffe und Sascha Korb spielte vor seiner Verletzung größer auf als jemals zuvor in Offenbach. Auch Spieler wie Sergej Schmik-Schmik-Schmik, Sportliterat Sergej Evljuskin und Tätowierungsmodell Tim-Philipp Brandner, die schon länger das Löwen-Trikot tragen, haben nochmal einen Schritt nach vorn gemacht. Zudem demonstrieren Rolf Sattorov, Steven Rakk und Jan-Erik Leinhos, dass mittlerweile eine Durchlässigkeit zwischen U23 bzw. U19 zum Regionalligakader gegeben ist. Wenn zum Start ins Fußballjahr 2017 die Verletzten wieder zum Löwenrudel stoßen, wird eine Konkurrenzsituation um die Plätze in der Startelf entstehen – damit war vor der Saison nun wirklich nicht zu rechnen. Der derzeitige Erfolg ist also nicht nur auf die Geschlossenheit im Team selbst zurückzuführen.

 

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Lehrer, Philosoph, Junge vom Dorf: Cralle hat alles was der KSV gerade braucht; Foto: Hedler

Coach Cralle hat es darüber hinaus geschafft, die individuelle Klasse vieler einzelner Spieler zu verbessern. Das ist mehr als löblich.

Doch zurück zum Ligageschehen: Die 33 Punkte unserer Löwen sind gigantisch gut – ohne Frage. Und gleichzeitig waren sie bitter nötig. Die Liga ist sehr ausgeglichen. Dem KSV folgen im Mittelfeld Mannschaften, die von ihrer guten Platzierung ebenso überrascht sein dürften: Walldorf, Worms und mit leichten Abstrichen auch Homburg spielen beachtliche Runden. Überraschenderweise stehen Mannschaften hinten drin, denen man eigentlich mehr zugetraut hätte. Die beiden Drittligaabsteiger aus Stuttgart beispielsweise, zudem der OFC und Eintracht Trier. Es ist nicht auszuschließen, dass dort im Winter nochmal nachgelegt und im kommenden Jahr angegriffen wird. Die Stuttgarter Kickers, gespickt mit vielen teuren Spielern, sind ein gutes Beispiel dafür, dass die Liga nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Der direkte Wiederaufstieg ist dort längst kein Thema mehr, es setzte empfindliche Niederlagen, z.B. gegen Tabellenschlusslicht Nöttingen (also Bitte: Wer verliert schon gegen Nöttingen?). Und dennoch ist bei allen Genannten nur schwer vorstellbar, dass sie im nächsten Jahr eine Liga tiefer kicken müssen. Daher werden Mannschaften wie Nöttingen, der SC Teutonia 1929 Watzenborn-Steinberg e.V. (was für ein Name) und Kaiserslautern II es schwer haben in der Rückrunde, sollte es den „Großen“ im Tabellenkeller gelingen, den Schalter umzulegen. Umso wertvoller sind darum die 33 Punkte, die der KSV schon hat.

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Foto: Hedler

Doch darauf sollten die Löwen sich nicht ausruhen: Bis zu sechs Mannschaften können absteigen, 45 Punkte sind für den Klassenerhalt sicher nötig. Prinzipiell machbar, dennoch warten in der restlichen Serie noch schwere Aufgaben. Man muss noch gegen alle Mannschaften spielen, die in der Tabelle vorm KSV stehen, auch das Auswärtsspiel in Offenbach ist noch nicht gewonnen.

Mindestens genauso spannend wird die Entwicklung der Zuschauerzahlen in den nächsten Heimspielen sein, doch dazu vielleicht mal an anderer Stelle mehr. Fakt ist, dass sich die derzeitige Begeisterung noch nicht in einem Massenandrang aufs Stadion auswirkt. Und vielleicht passiert das im Ligabetrieb auch nie wieder. Doch die, die da sind, liefern eine Unterstützung, wie es sie lange nicht gab. Ab und an wurde das Auestadion in den vergangenen Wochen zu einem kleinen Hexenkessel – muss man auch erstmal schaffen bei einer Stadionauslastung von nicht mal 10 Prozent.

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Auch unser schönes Estadió del Aue geht jetzt in den Winterschlaf; Foto: privat

Nach einem aufreibenden Jahr für Verein, Mannschaft und Fans kommt die Winterpause nun gerade recht, doch diese wird wie gewohnt lang werden. Am 8. Januar ist Trainingsauftakt, es werden sicher wieder semi-brisante Testspiele auf gefrorenem Kunstrasen gegen Lohfelden und Stadtallendorf folgen – das übliche Programm also, dass man aber aus Liebe zum Verein selbst bei Minustemperaturen erträgt. Vielleicht überrascht uns der Verein aber auch und sorgt in der Vorbereitung auf die Rückrunde für den ein oder anderen Leckerbissen. Damit das Warten auf den Rückrundenauftakt bei den Stuttgarter Kickers nicht zu lang wird.

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