„Irgendwann werde ich auch mal einen über die Linie drücken!“

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SF3: Schritt für Schritt zum Comeback; Foto: Rösch

Indem der Verein im Sommer 2016 den Vertrag mit Steffen Friedrich verlängerte, setzte er ein deutliches Zeichen: Wir wollen die jungen Spieler der Region langfristig an uns binden – so die Devise. Die Vertragsverlängerung war umso bemerkenswerter, weil Steffen zu dieser Zeit erkrankt war. Es war abzusehen, dass er so schnell nicht wieder auf den Platz zurückkehren würde. In der Woche vor dem DFB-Pokalspiel gegen Hannover 96 im Sommer 2015 kollabierte Steffen auf dem Trainingsgelände, im Dezember gegen den OFC nochmals auf dem Platz. Es wurden eine Entzündung des Herz-Muskels sowie Herz-Rhythmus-Störungen diagnostiziert. Als sich der Vorfall im April diesen Jahres wiederholte, als Steffen wie viele andere Fans am Bieberer Berg das Pokalhalbfinalspiel gegen Offenbach verfolgte, stand der heute 22-Jährige vor dem Ende seiner viel versprechenden Karriere. Es folgten einige medizinische Eingriffe und die besagte Vertragsverlängerung. Seitdem ist der Guxhagener als Teammanager für die Löwen tätig. Die letzten Tage ließen aufhorchen, da es Meldungen gab, Steffen sei wieder dabei, auf den Platz zurückzukehren. Da Blog36 immer alles besser wissen möchte, haben wir uns selbst bei „SF3“ erkundigt und mit ihm über das vergangene Jahr gesprochen. Und das alles in nur 3,6 Fragen.

 


Blog36:
Moin Steffen, Tobi Cramer hat ja neulich in einem Nebensatz bei „Löwen TV“ fallen lassen, dass du wieder Sport machen darfst. Kannst du uns mal erklären, was genau das jetzt für dich bedeutet?

 

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Testspiel 2015 gegen den HSV; Foto: Rösch

Steffen: Ich hab vor wenigen Wochen von den Ärzten grünes Licht bekommen, worüber ich mich natürlich riesig gefreut hab. Das bedeutet aber erstmal, nicht direkt angreifen zu können. Ich muss erst wieder bei null anfangen und hab zuletzt einige Läufe im Grundlagenausdauerbereich absolviert. Ich fühle mich momentan gut, mir macht es einen riesigen Spaß ein Teil der Mannschaft zu sein und ich hoffe, dass es gesundheitlich weiterhin bergauf geht. Es gibt zeitlich gesehen noch kein genaues Datum, wann ich wieder als Spieler zur Mannschaft stoßen kann. Man muss jetzt mit Geduld Schritt für Schritt gehen und alles wieder aufbauen. Ich hab ja schließlich elf Monate keinen Sport getrieben.

 

Blog36: Die Nachrichten über deine Zusammenbrüche haben mit Sicherheit jedem von uns einen kalten Schauer über den Rücken gejagt. Wie sah das zu der Zeit bei dir selbst aus?

Steffen: Es war mit Abstand die schwerste Zeit in meinem Leben. Zum Glück habe ich viel Rückendeckung von meiner Familie, Freunden aber auch vom Verein bekommen. Ganz besonders aber von meiner Freundin. Mir ist bewusst, dass ich sehr, sehr viel Glück hatte in meinem Leben. Ich hab mir gesagt, dass das Leben immer weitergeht. Man muss es akzeptieren und damit zurechtkommen. Insgesamt bin ich mit diesem Thema sehr positiv umgegangen. Ich hab mir immer gesagt, es hätte auch schlimmer ausgehen können. So, jetzt haben wir aber genug über die Vergangenheit geredet, ich lebe im hier und jetzt und bin froh, dass es mir gut geht. Ich freue mich auf die Zukunft und auf alles was kommt!

 

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Neue Rolle als Teammanager; Foto: Rösch

Blog36: Sehr gut, Blick nach vorne, Blog36 mag das. Dann schauen wir doch mal auf deine aktuelle Rolle als Teammanager. Der Verein hat ja sofort nach deiner Erkrankung reagiert und diesen Posten für dich geschaffen. Da wir ja keinen offiziellen Co-Trainer haben, bist du da nun sicher umso wichtiger. Aber was machst du da eigentlich genau und gefällt dir die Tätigkeit?

Steffen: Nach der Erkrankung wurden sehr früh Gespräche mit mir geführt, das hat mir natürlich sehr gut getan. Über die Vertragsverlängerung hab ich mich dann auch sehr gefreut. Als Teammanager hab ich viele unterschiedliche Aufgaben, hauptsächlich unterstütze ich den Trainer Tobias Cramer und wirke zugleich als Bindeglied zur Geschäftsstelle und zum Jugendbereich. Zum Beispiel stehen bei den Auswärtsfahrten Hotel, Ablaufplan, Zimmerbelegung, Verpflegung und weitere kleine Dinge auf der Tagesordnung, die aber alle organisiert werden müssen. Die Mannschaft hat es mir dabei sehr leicht gemacht. Mit 22 Jahren ist man natürlich nicht in der Position über einen Berg an Erfahrung zu verfügen, allerdings bin ich der Meinung, dass so eine Position nicht direkt mit dem Alter zusammenhängen muss. Eine gute Verbindung zu den Spielern ist wichtig, ich muss immer mit dem nötigen Respekt an sie herantreten. Genauso verlange ich das aber auch von ihnen. Es ist völlig egal ob es ein Spieler, Trainer, Teammanager, Zeugwart oder Physio ist – man muss immer seinen Gegenüber respektieren und tolerieren. Nur so kommt es zu erfolgreichen Gesprächen und Lösungen. Wichtig ist auch, dass der Spaß nie verloren geht. Da ihr mich ja kennt, wisst ihr, dass ich für jeden Spaß zu haben bin, wenn die Leistung stimmt. [Blog 36 nickt zustimmend: Ja, Spaß nur wenn man geil abliefert!] Wichtig ist es, den Schalter umlegen zu können. Ich glaube, dass mir das bisher sehr gut gelungen ist, denn wenn Ernsthaftigkeit und Disziplin gefordert sind, muss ich diese auch an den Tag legen. Momentan funktioniert das super und alle kommen sehr gut miteinander aus. Man sieht das ja auch an den Äußerungen von den Spielern, die sagen, dass das Fußball spielen momentan einfach riesigen Spaß macht.

 

Blog36: Die 3,6te Frage geht immer in Richtung Fans: Viele von denen haben sich im letzten Jahr sehr mit dir solidarisiert und mit dir mitgefühlt. Wir denken da zum Beispiel an dieses großartige „Never quit – SF3“-Banner von Block 30. Willst du da mal was zurückgeben? Wir wissen ja, dass deine Eltern in Guxhagen ‘ne Kneipe haben (kichert). Aber im Ernst: Ein erster Schritt wäre es doch, wenn du deine Umwelt mit deinem wirklich miserablen Musikgeschmack verschonen würdest, oder?

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Walk on!; Foto: Rösch

Steffen: (lacht) Moment, eins nach dem anderen. Also zunächst erstmal ein riesiges DANKE an die Fans, ich habe mich sehr über die ganzen Nachrichten und auch über das Banner gefreut. Den ein oder anderen von denen kenne ich und sie haben regelmäßig bei mir nachgefragt wie es mir geht. Das fand ich super von den Jungs. Dafür eine Gegenleistung zu bringen wird natürlich sehr schwer, aber ich habe mir vorgenommen, in meiner Karriere mein erstes Pflichtspieltor für die Löwen zu erzielen. Im Training schmunzelt man immer über meine Torgefährlichkeit, aber wie heißt es so schön? Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. Ich hoffe natürlich, dass ich bald wieder im Löwen-Trikot auf dem Platz stehen kann und irgendwann werde ich dann auch mal einen über die Linie drücken. Und zu meinem Musikgeschmack nach gewonnenen Spielen (lacht): Darüber lässt sich vielleicht streiten, aber ich kann bestätigen, dass der ein oder andere in der Mannschaft diese Vorliebe mit mir teilt.

Blog36: Diesbezüglich fühlen wir mit den restlichen Spielern, auf die das nicht zutrifft (lacht). Steffen, tausend Dank, dass du dir so schnell die Zeit genommen hast. Wir sind sehr froh, dich im Rudel zu haben und wünschen dir sehr, dass du bald wieder im Spielertrikot auf dem Platz stehst. Alles Gute weiterhin für deine Gesundheit!

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