KSV unterliegt im Abnutzungskampf von Nöttingen

 

Nöttingens Kapitän Timo Brenner kündigte vor dem Spiel in einem Interview der Pforzheimer Zeitung einen „Abnutzungskampf“ im Spiel gegen die Löwen an. Er sollte Recht behalten. Intensiv, kampfbetont, nicklich und streckenweise richtig giftig war das Mittwochabendspiel im Panoramastadion. Dazu trugen nicht nur zwei Mannschaften bei, die sich nichts schenkten, sondern auch ein Schiedsrichter, der auf beiden Seiten wegen seiner höchst eigenwilligen Regelauslegung immer wieder für Unverständnis sorgte und damit das Spielgeschehen keinesfalls beruhigte. So zum Beispiel in der 5. Minute als er in gefährlicher Position die zweifelhafte Entscheidung traf für Nöttingen Freistoß zu pfeifen. Reinhard Schenker zirkelte den Ball passgenau ins Eck: 1 zu 0 Nöttingen. Ein denkbar schlechter Auftakt.

Die Löwen schüttelten sich aber und kamen besser ins Spiel. Sowohl Marco Dawid (13.) als auch Henrik Giese  (15.) kamen zum Abschluss. Kurz darauf folgte der Ausgleich aus einem der wenigen flüssigen Spielzüge des KSV: Der abermals stark aufspielende Korb flankte auf Damm, der mit Übersicht den Ball per Kopf ablegte, während Marco Dawid am Ende der Stafette den Ball im Netz platzierte. Kurz darauf verhinderte die Hand vom am Boden liegenden Niklas Kolbes im Nöttinger Strafraum eine gute Schussgelegenheit für die Löwen. Sicher kein klarer Fall. Allerdings gab es zuletzt schon Schiedsrichter, die bei vergleichbaren Szenen auf den Punkt gezeigt haben. Pech für den KSV.

In Halbzeit zwei fanden die Löwen zunächst den besseren Start, werden dann aber von der abermaligen Nöttinger Führung kalt erwischt: In der 55. Minute pennte die linke Kasseler Abwehrseite. Flanke auf Schürg, der per Kopf am gut parierenden Niklas Hartmann scheiterte. Den abgewehrten Ball konnte Neziraj ungestört zum 2:1 einnicken. Wieder musste der KSV einem Rückstand hinterher rennen.

In der Folge wurde das Spiel zunehmend ruppiger. Immer wieder lagen Spieler gekrümmt am Boden. Zwei, drei Mal bildeten sich Rudel und auch zwischen den Trainerbänken wurde das ein oder andere Wort gewechselt, oder wie Coach Cramer nach dem Spiel auf der PK zugibt: „Das Duell wurde auch am Spielfeldrand intensiv ausgetragen.“ Die Löwen nahmen die harte Gangart der Gastgeber zwar an, versuchten aber zu selten spielerisch den Abwehrriegel der gut organisierten Heimmannschaft zu knacken. Die hohen Bälle, die immer wieder zum Nöttinger Strafraum segelten, pflückten die langen Recken der Gastmannschaft meist problemlos aus der Luft. Ein Kopfball von Sebastian Schmeer der sicher in den Armen vom FCN-Torhüter Robin Kraski landete, war in den Schlussminuten zu wenig, um mit einem Punkt zurück nach Kassel zu fahren. Wille, Einsatz und Kampfbereitschaft haben gestimmt. Die Löwen präsentierten sich allerdings ein ums andere mal unkonzentriert nach hinten und ideenlos nach vorne. Hoffen wir, dass sich beides in Trier wieder ändert.

Und abseits des Spielgeschehens? Auch wenn die Pforzheimer Zeitung zwischenzeitlich tickerte: „35 Gästefans sind lauter als hunderte Nöttinger Fans“, litt die Zahl der Auswärtsfahrer und darunter auch die Stimmung im Gästeblock sichtlich unter den Anstoßzeiten. Dabei hätten in einem galligen Spiel wie heute Emotionen von den Rängen vielleicht den Unterschied machen können… Abschließend können einem die Nöttinger Spieler in einer Hinsicht trotz der drei Punkte etwas leid tun. Muss es denn wirklich sein, dass sich die Auszubildenden des Dorffriseurs hemmungslos an der FCN Mannschaft austoben dürfen? Wir finden das irgendwie entwürdigend für alle beteiligten. Neben Extensions und Strähnchen bleibt zudem bei uns eine heftige kulturelle Identitätskrise der Nöttinger über den Tag hinaus in Erinnerung: Da spielen sie zu Beginn stolz das Badner Lied, kassieren dann aber – ganz schwäbisch – für einen Einwegplastikbecher 2 Euro Pfand, verzichten außerdem auf die im Süd-Westen obligatorische rote Stadionwurst und auf dem Heimweg erklärt uns dann ein netter Eingeborener stolz, dass Nöttingen im Herzen des Schwarzwaldes liege. Wie sagt der Schwabe: Willsch me vrarsche?

 

 

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