„Die Gegner werden hier nichts geschenkt bekommen, das müssen sie schon auf dem Weg nach Kassel in den Köpfen haben!“

In unserer neuen Rubrik „3,6 Fragen an…“ möchten wir Gesichter des Vereins zu Wort kommen lassen. Den Auftakt macht Yassine Khadraoui. Der 19-jährige stieß erst vor ein paar Tagen zu den Löwen, nachdem er im Trainingslager in Willingen zu überzeugen wusste. Doch der gebürtige Düsseldorfer, der in der vergangenen Saison für die U19 von Bayer 04 Leverkusen die Stiefel schnürte, stand schon länger auf dem Zettel von Coach Cralle.

yassine
Hat Bock auf den KSV: Neuzugang Yassine Khadraoui; Foto: Privat

B36:  Moin Yassine, und herzlich Willkommen in Kassel. Du bist in einer für den Verein sehr schwierigen Situation zum KSV gewechselt. Was hat dich zum Wechsel bewogen?

YK: Moin zurück und Danke. Den ersten Kontakt gab es bereits in der Winterpause, den hatte Tobias Cramer hergestellt, der ja damals noch Co-Trainer von Matthias Mink war. Im Dezember habe ich mir mit meiner Familie zusammen alles einmal vor Ort in Kassel angeschaut. Ich wäre gerne schon im Winter gekommen, da ist eine Leihe aber leider auf der Zielgeraden gescheitert. Danach ist der Kontakt aber nie abgerissen, Tobias Cramer hat sich immer wieder bei mir gemeldet und sich sehr bemüht. Wir hatten in der Folge viele gute Gespräche. Diese Gespräche und dann natürlich die Eindrücke im Training von den Jungs in der Mannschaft haben mich zu dem Wechsel bewogen. Das ist eine coole Truppe wo es Spaß macht zu kicken! Ich hatte auch Anfragen von anderen Vereinen aus Deutschland und Holland aber ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl mit Kassel gehabt und Vertrauen gespürt.

Mir ist wichtig, dass ich Spaß habe und mich über möglichst viele Spiele weiterentwickeln kann. Ich möchte in Kassel einfach den nächsten Schritt gehen. Mir ist die schwierige Situation, in der sich der Verein aktuell befindet, bewusst. Das wurde von Vereinsseite offen und ehrlich thematisiert. So eine Situation kann auch zusammenschweißen. Gerade in solch einer Situation müssen Trainerstab, Team und Fans 100% zusammen stehen. Wir müssen in dieser Saison Fußball arbeiten. Ich denke, dass wir in erster Linie über den Kampf in die Spiele kommen müssen und nur als Einheit erfolgreich sein können. Ein guter Start ist extrem wichtig.

B36: Auf was für einen Typen – auf und neben dem Platz – muss sich der KSV bei Yassine Khadraoui einstellen?

YK: Als Deutsch-Marokkaner habe ich zwei Kulturen in mir vereint. In erster Linie bin ich typisch marokkanisch: ein totaler Familienmensch, dem Familie und Freunde extrem wichtig sind. Für sie gehe ich durchs Feuer. Für mich ist ein Wort noch ein Wort. Generell bin ich ein offener Typ der auf Menschen zugeht, der viel lacht und grundpositiv ist. Ich bin aber auch ein straighter Typ, der sagt was er denkt und Dinge direkt anspricht. Mir sind Werte wie Ehrlichkeit und Loyalität sehr wichtig. Daran messe ich auch die Menschen in meinem Umfeld. Was ich gar nicht abkann, ist wenn jemand Unwahrheiten sagt oder falsch ist.

Auf dem Platz bin ich ein Kämpfer. Ich versuche immer alles zu geben und kann sehr schlecht verlieren. Niederlagen machen mich schon extrem fertig. Was typisch Deutsch an mir ist, ist wahrscheinlich meine Disziplin. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind mir wichtig. Generell bin ich ein Spieler, der sich ständig weiterentwickeln und verbessern möchte. Ich bin offen für Neues und schaue auch im Bezug aufs Training über den Tellerrand.

Was ich noch lernen muss ist vielleicht etwas mehr Geduld und Gelassenheit. Aber ich denke, dass mich insbesondere mein letztes, persönlich sehr schwieriges Jahr in Leverkusen auch in diesen beiden Punkten und als Mensch extrem voran gebracht hat. So eine Situation kannte ich vorher nicht. Es war bis dahin immer ein Weg nach oben. Von Fortuna Düsseldorf zu Bayer 04 Leverkusen, über die Mittelrheinauswahl in die marokkanische U17 Nationalmannschaft, dann nach einer sehr guten U17 WM bereits die Nominierung in den vorläufigen Kader für die U20 von Marokko. Nach der U17 WM mit Marokko in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo ich als Jungjahrgang alle Spiele über die volle Distanz für Marokko bestritten habe, hatte ich einige sehr interessante Angebote aus dem In- und Ausland erhalten. Ich habe mich aber dann letztlich doch für Bayer entschieden, da der damalige U19 Trainer mir ein sehr gutes Gefühl in den Gesprächen gegeben hat und ich als U17 Spieler auch bereits einige U19 Spiele unter ihm bestritten hatte. Leider wurde dieser Trainer dann trotz einer sehr guten Saison durch einen anderen ersetzt. Für mich hat sich dieser Trainerwechsel sehr nachteilig ausgewirkt. Ich habe in dieser schweren Zeit allerdings auch gemerkt wie sehr ich den Fußball liebe und was er mir bedeutet. Daher will ich in der neuen Saison einfach wieder auf dem Platz stehen, jede Minute die ich spiele genießen, alles raushauen und maximalen Spaß haben. Ich freue mich sehr auf die Herausforderung Hessen Kassel und bin richtig heiß auf die neue Saison!

B36: Was ist dein erster Eindruck von der Stadt?

YK: Wie gesagt, ich war im Winter bereits einmal hier und habe mich umgeschaut. Natürlich habe ich mich wie mein Wechsel konkreter wurde auch über die Stadt Kassel informiert. Kassel hat schon ein paar schöne Ecken. Ich werde mit meiner Family auf jeden Fall mal in den Bergpark Wilhelmshöhe gehen, den habe ich auf Tipp eines Freundes gegoogelt, der Park sieht schon geil aus. Generell ist mein erster Eindruck ein guter, ich denke, hier kann man es auch neben dem Platz aushalten. Allerdings hatte ich in der Vorbereitung nicht wirklich Zeit, mich intensiver umzuschauen. Zumindest weiß ich, wo ein gutes Vapiano ist. (lacht)

B36: Zum Abschluss ein Wort zu den Fans: Was erwartest du von den Kasseler Fans und auf was können sich die Fans bei dir verlassen?

YK: Eine Saison hat Höhen und Tiefen. Wir müssen in dieser schweren Phase für den Verein als Einheit zusammen stehen und einen guten Saisonstart hinlegen. Ich hoffe die Fans unterstützen uns auch, wenn es mal nicht so gut läuft. Die Regionalliga Südwest ist die mit Abstand stärkste Regionalliga und die Saison wird eine große Herausforderung. Wir müssen von Anfang an voll da sein, alles raushauen und immer 100% abrufen. Nur so können wir gegen die Topclubs der Liga punkten. Wir müssen Fußball arbeiten, über eine kompakte Mannschaftsleistung mit guter Defensive und über den Kampf in die Partien kommen. Offensiv müssen wir Nadelstiche setzen und dem Gegner wehtun. Die Gegner werden hier nichts geschenkt bekommen, dass müssen sie schon auf dem Weg nach Kassel in den Köpfen haben. Auf dem Platz werden sie das dann spüren. Unsere Fans sind daher enorm wichtig und können richtig pushen. Die Fans müssen von Minute 1 bis 90 Dampf machen. Und wir müssen dies auf dem Platz. Ich fand die Bilder krass: Kassel im DFB-Pokal gegen Hannover vor voller Hütte im Auestadion, das war schon eine Hammerkulisse und richtig beeindruckend. Ich habe bei der U17 WM mit Marokko gemerkt was durch gute Stimmung und Anfeuerung für extra Energien frei werden. Das war einfach nur überragend wie die Fans uns gepusht haben. Wir sind für Marokko und diese Fans durchs Feuer gegangen, über uns hinausgewachsen und bis ins Achtelfinale gekommen. Es war einfach Wahnsinn diese positive Energie bis auf den Platz zu spüren.

Von mir können die Fans erwarten, dass ich immer 100% geben werde, im Training und im Spiel. Ich möchte diese Chance hier nutzen und ich möchte mit den Löwen erfolgreich Fußball spielen. Ich möchte auch die großen Favoriten ärgern und im Hessenpokal so weit wie möglich kommen. Ich hasse es zu verlieren. Ich freue mich einfach auf die neue Saison mit den Löwen und habe richtig Bock hier zu kicken.

B36: Das freut uns. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Hau rein und alles Gute für die neue Saison!

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